Wildtierschutz

Ein schwieriges und umständliches Thema! Daher möchte ich mit sofort regeln Beginnen und später mehr Text und Wissen ausführlich vermitteln.

Für den eiligen Leser

  1. Die Brut- und Setzzeiten beginnen je nach Wetter und Wildtierart im März und gehen bis in den Frühsommer. Bei Feldhasen sogar bis in den Oktober!
  2. Bleib in dieser Zeit auf den Wegen! Vermeidet vor allem Dickungen!
  3. Feldhasen und Rehe legen ihre Jungtiere ab. Dort liegen sie versteckt und das Muttertier kehrt immer wieder zum Säugen zurück. Das beduetet, dass nicht jedes Jungtier welches man findet auch verwaist ist. Bleibt man in der Nähe, um dies zu prüfen, kehrt die Mutter oftmals wegen der Störung nicht zurück. Dieses Handeln ist folglich kontraproduktiv!
  4. Im Zweifelsfall: Den örtlichen Tierschutzverein oder auch das Ordnungsamt anrufen. Diese können dann an die zuständige Stelle weitervermitteln.
  5. Bei einem Verkehrsunfall mit Wildtieren immer die Polizei einschalten. Alles andere kann als Wilderei verfolgt werden. Und nicht dem Tier nähern! Dies kann selbst bei Rehen zu einer hohen Eigengefährdung führen.
  6. Hunde: Lasst sie vor allem in dieser Jahreszeit in Wald und Feld an der Leine! Auch wenn ihr denkt: “Der tut doch nix…” Ein junger Hase oder ein Rehkitz kann zum Opfer werden. Ausserdem wird in dieser ohnehin anspruchsvollen Zeit das Wild unnötig beunruhigt.

Brut- und Setzzeiten: Was passiert da draußen?

Feldhasen bilden im Januar bis in den August Jahresehen. Diese Zeit wird unter Jägern als Rammelzeit bezeichnet. Bei einer Tragzeit von 42 Tagen und einer Säugezeit von ca 4 Wochen ergibt das eine Setzzeit von März bis Oktober. Im Gegensatz zum Kaninchen, leben Hasen nicht in Bauen. Daher kommen die Junghasen behaart und sehend zur Welt. In der Anfangszeit, können sie noch nicht flüchten und ducken sich – wie erwachsene Hasen auch- am Boden bzw. in den sogenannten Sassen ab. Eine Sasse ist eine flache Mulde, die Hasen mit ihren Läufen in den Erdboden arbeiten. Die Häsin legt von ihren 1 bis 5 Junghasen jeden an einen anderen Platz ab und kehrt immer wieder zu den Jungtieren zurück, um sie zu säugen. So ist die Häsin nicht angreifbar, da sie sich nur sehr kurz um ihre Jungtiere kümmern muss und diese auch nicht leicht von Fressfeinden (z.B. dem Fuchs) gefunden werden. Darüber hinaus sind die Jungtiere geruchslos. In der Folge müssen Junghasen, die man irgendwo auf offener Fläche findet auch nicht umsorgt oder gar mitgenommen werden. Vor allem in den ersten Tagen, überleben sie ohne die Muttermilch gar nicht, weil diese wichtige Stoffe enthält. Dafür haben wir Menschen auch keinen Ersatzstoff. Folglich verenden auch sehr viele übereifrig mitgenommene Junghasen in den Händen der Helfer. Selbst wenn sie Fachleuten zur Pflege übergeben wurden. Erst nach dieser ersten Zeit, können wir überhaupt etwas bewirken. Falls wir sie jedoch nicht dort liegen lassen können, wo sie abgelegt wurden, weil wir dort beispielsweise Arbeiten verrichten müssen, können sie mit viel Gras sanft angehoben und versetzt werden. Direkter Kontakt ist aufgrund unseres Geruchs jedoch absolut TABU! Sebst Handschuhe helfen nicht und die Häsin verstößt das Jungtier. Es helfen wirklich nur Pflanzen aus der direkten Umgebung und das Jungtier darf auch nicht zu weit weg gesetzt werden!

Rehe paaren sich in der Blattzeit. Diese beginnt Mitte Juli und geht bis Mitte August. Nach der Befruchtung der Eizelle durch die Samenzelle, folgt zunächst eine ca. 4 1/2 monatige Keimruhe. Diese endet im Dezember. Ab Ende April bis Mai folgt die Setzzeit. Ricken (weibliche Rehe) setzen nun ein oder zwei Kitzen (junge Rehe). Wie Feldhasen sind Rehkitze geruchsneutral und werden von der Mutter gut versteckt abgelegt. Sie geht nun auf Nahrungssuche und kehrt immer wieder zu den Kitzen zurück. Bei Störungen holt sie ihren Nachwuchs auch gerne vorzeitig ab und führt diesen dann in ein ruhigeres Gebiet. Meist werden die Rehkitze noch bis in den November gesäugt. Auch Rehkitze sollten einfach an Ort und Stelle belassen werden. Müssen sie doch umgesetzt werden, wie zum Beispiel bei der Heumaht, so gilt es, sie wie junge Hasen mit viel Gras sanft aufzuheben und in der unmittelbaren Nähe in Sicherheit zu bringen.

Vögel sind da etwas weniger kompliziert. Je jünger das Küken ist, desto geringer ist seine Überlebenschance ausserhalb des Nestes. Ist das Nest in Reichweite, so kann das Küken wieder mit natürlichen Materialien sanft in das Nest zurück gesetzt werden. Je jünger das Küken ist, desto wichtiger ist fachlich kompetente Hilfe. Es ist kein leichtes, einen Jungvogel zu retten. Hier gilt: Beim örtlichen Tierschutzverein anrufen. Verfügt der Vogel jedoch schon über ein vollständiges Gefieder, handelt es sich nicht mehr um den im Nest lebenden Nestling, sondern in der Regel um den nun auf den Ästen lebenden Ästling. Diesen kann man tatsächlich recht einfach anheben und auf einen Ast in sicherer Höhe setzen. Hier finden ihn die Eltern. Meist schaffen sie den Start vom Boden nur noch nicht, nach dem ihr Entdeckerdrang sie zu den ersten Flugversuchen geführt hat.

Hilfe, ein Jungtier das hier nicht beschrieben wurde?

Bei weiteren Tieren hilft auch einfach mal das Nachlesen der Lebensweise. Die Natur hat einen guten Grund für ihre Vorgehensweise: Die Evolution. Über Jahrtausende und -millionen haben sich die Tiere ihren Lebensräumen und Feinden angepasst. Meistens ist unser Verhalten und der Hilfsdrang wirklich gut gemeint, aber in Wirklichkeit völlig überflüssig. Leider neigen wir zu oft dazu, Tiere zu vermenschlichen. Das ist einerseits gut, andererseits, können wir dadurch auch Schaden anrichten. Es geht um das gesunde Mittelmaß. Respekt, Wissen, (Jagd-)Ethik und Beobachten helfen uns hier weiter.

Im Zweifel: Ruft den örtlichen Tierschutzverein an! Oder die 24h besetzte Nummer des Ordnungsamtes. Befindet sich ein Tier in Akuter Gefahr: Notruf. Ist ein Tier in einen Unfall verwickelt: Polizei!

Auf gar keinen Fall einfach mitnehmen. Auch wenn es noch so gut gemeint ist, lasst es! Ihr richtet damit eher Schaden an, als ihr helft!

Was kann ich denn nun tun?

Das ist simpel und bereits oben kurz aufgeführt. Wenn wir auf den Wegen bleiben, schonen wir die Rückzugsorte des Wildes und gewähren ihm die Ruhe, die es benötigt. Bewegen wir uns normal und schleichen nicht durch die Natur, erkennt es uns frühzeitig als harmlos. Dann vermeiden wir vor allem Dickichte und Dickungen. Denn diese sind die Wohnzimmer des Wildes. Ihr mögt es schließlich auch nicht, wenn plötzlich Fremde in eurem Wohnzimmer stehen!

Hunde sind noch einmal eine eigene Geschichte! Informiert Euch über die jeweiligen Gesetze in Eurem Bundesland! Denn schließlich seid ihr doch verantwortungsvolle Hundehalter!

Da ich in Nordrhein-Westfalen lebe, möchte ich die Lage hier mal kurz erläutern. Im Wald gibt es keinen generellen Leinenzwang! Dies ist im Landesforstgesetz §2 Abs.3 nachzulesen. Dort heißt es:

“Wer den Wald betritt, hat sich so zu verhalten, dass die Lebensgemeinschaft Wald und die Bewirtschaftung des Waldes nicht gestört, der Wald nicht gefährdet, beschädigt oder verunreinigt sowie andere schutzwürdige Interessen der Waldbesitzer und die Erholung anderer nicht unzumutbar beeinträchtigt werden. Im Wald dürfen Hunde außerhalb von Wegen nur angeleint mitgeführt werden; dies gilt nicht für Jagdhunde im Rahmen jagdlicher Tätigkeiten sowie für Polizeihunde “

Landesforstgesetz NRW

Somit muss der Hund jedoch jederzeit unter Kontrolle bleiben. Sprich er muss zuverlässig auf Kommando zurück kehren. Leider ignorieren viele Halter das Verhalten ihres Hundes. Beim mehrfachen Rufen kommt er ja… Aber was ist, wenn er Wild aufgestöbert hat? Ja, Hunde brauchen ihren Auslauf. Doch auch auf Kosten anderer Tiere? Dann doch lieber Zeit in eine gute Ausbildung investieren und mit Realismus an seinen Hund heran gehen. Dann genießt er auch Freiheiten.

Die Schattenseiten des freilaufenden Hundes findet man dann im nordrhein-westfälischen Landesjagdgesetz §25 Abs. 4.2:

(4) Die zur Ausübung des Jagdschutzes berechtigten Personen sind befugt,

1. Personen, die in einem Jagdbezirk unberechtigt jagen oder eine sonstige Zuwiderhandlung gegen jagdrechtliche Vorschriften begehen oder außerhalb der zum allgemeinen Gebrauch bestimmten Wege zur Jagd ausgerüstet angetroffen werden, anzuhalten, ihre Person festzustellen und ihnen gefangenes und erlegtes Wild, Schuss- und sonstige Waffen, Jagd- und Fanggeräte, Hunde und Frettchen abzunehmen;

2. Hunde außerhalb der Einwirkung ihrer Führerin oder ihres Führers abzuschießen, wenn
a) diese Wild töten oder erkennbar hetzen und in der Lage sind, das Wild zu beißen oder zu reißen,
b) es sich um keine Blinden-, Behindertenbegleit-, Hirten-, Herdenschutz-, Jagd-, Polizei- oder Rettungshunde handelt, soweit sie als solche kenntlich sind und solange
c) andere mildere und zumutbare Maßnahmen des Wildtierschutzes, insbesondere das Einfangen des Hundes, nicht erfolgversprechend sind.”

Landesjagdgesetz NRW

All das lässt sich schließlich durch intelligentes Verhalten vermeiden und einem ungestörten Naturgenuss steht nichts im Wege.

Echter Naturschutz und Hilfe für Wildtiere setzt Wissen und einen sorgsamen Umgang mit unseren Mitgeschöpfen voraus.

Nehmt einfach Rücksicht und handelt nicht vorschnell aus vermeintlich guten Gründen, weil süße Tiere (oft unbegründete) Mitleid erwecken. So trägt jeder zum Naturschutz und dem Arterhalt bei.

Auch du!