Try-Stick

Die Idee zum Try-Stick habe ich von Mors Kochanski. Generell kann ich auch seine Videos beim Kanal von Karamat Wilderness Ways empfehlen, so lange ihr Englisch beherrscht. Auch wenn manch einem die Videos lang erscheinen mögen, sie lohnen sich in meinen Augen sehr.

Der Try-Stick (Versuchsstab) dient dem Üben verschiedener Schnitztechniken. Man kann sehr viele oder nur sehr wenige Techniken üben. Welche ihr übt, müsst ihr wissen. In der Folge stelle ich mehrere Techniken vor, die in meinen Augen sinnvoll bzw nützlich sind. Das schöne beim Try-Stick ist die Möglichkeit, auch einfach mal zu hause zu üben. Wobei ihr den fast überall üben könnt,wo man eben legal mit einem Messer schnitzen darf. Da ergibt es sich von selbst, dass der Bahnhof nicht die beste Lokalität ist.

Welches Holz?

Am Anfang empfehle ich weiche und einfach zu bearbeitende Hölzer, wie z.B. Weide. Sie ist schnell und einfach zu finden, gibt gute, gerade Äste und istdabei angenehm weich und einfach zu verarbeiten. Haselnuss bietet sich auch an, ist jedoch härter. Versucht doch einfach mal die Unterschiede von Hölzern durch schnitzen kennen zulernen.

Beim Ernten der Äste, trennt sie sauber mit einer Säge ab, nehmt nur wenige Äste von einem Gehölz (meist gibt es ja genug andere in der Nähe) und achtet drauf niemandem zu schaden!

Für meinen Beitrag habe ich vor etwa einer Woche Äste von einer Kopfweide geerntet und somit auch keinem Baum geschadet.

1. Der Rundkopf

Den Rundkopf benötigen wir vor allem bei Heringen zum Abspannen von Zelten oder wenn wir uns einen Wanderstock herstellen wollen. Eine weitere Verwendung findet er, wenn wir einen Stock als Pfosten in einem Tarp verwenden wollen. Diesen sollte man zwar immer noch polstern, doch je weniger Ecken, desto schonender für das Tarp.

Wichtig ist vor allem eine sichere Arbeitsposition. Sitzend, vornüber gelehnt stütze ich hier meine Ellenbogen auf den Knien ab. Dadurch arbeite ich weit vor meinem Körper und auch wenn das Messer abrutscht, gleitet die Klinge in weitem bogen von mir weg und ich kann mich nicht schneiden.

Zuerst schnitzt man eine Spitze in den Stock. So können wir auch Stöcke trennen.

Aus der Spitze, wird stück für Stück eine Art Halbkugel herausgeschnitzt. Keine Bange, sie muss nicht perfekt sein.

2. Durchmesser verkleinern

Der Sinn, den Durchmesser gleichmäßig zu verändern ist nicht zwingend bei diesem Dünneren Stock zu suchen. Doch die Grundtechniken sind identisch. Für verschiedene Verbindungen oder Techniken ist ein kleinerer Durchmesser an einer beliebigen Stelle jedoch durchaus praktisch. Als Griff bei einem Wanderstab zum Beispiel.

Zuerst wird das Holz eingeschnitten. Hier seht ihr die haltende Hand. Die andere Hand dreht den Stock. Zu keinem Zeitpunkt sind Messer klinge oder Daumen in einer Linie! Sollte ich abrutschen, gleitet mein Daumen an der Klinge vorbei, so dass ich mich nicht verletzen kann.

Zwei rund umlaufende Schnitte markieren unseren später verkleinerten Bereich.

Ausserdem helfen die Schnitte beim Schnitzen.

Fleißig rundherum schnitzen ist angesagt.

Schließlich wird nur noch die Spitze eingesetzt, um kleine Unebenheiten zu entfernen.

Fertig! Ein möglichst gleichmäßiger kleinerer Durchmesser ist geschaffen.

3. Der Topfhaken

Zugegeben, der Name täuscht ein wenig. Zwar dient dieser Haken dem Aufhängen von Töpfen, aber in Verbindung mit einem Rundkopf am einen Ende und einer Spitze am anderen, haben wir einen Hering hergestellt.

Zuerst schneiden wir möglichst tief schräg ein.

Dann schneiden wir ein zweites mal entgegengesetzt ein, so dass sich ein Dreieck bildet.

Dann wird fleißig ausgeschnitzt.

Beim Ausschnitzen müssen wir jedoch beachten, dass die Spitze des Dreieckes stehen bleibt!

Wie gesagt, die Spitze muss stehen bleiben und wird fein ausgearbeitet.

Fertig! So rum gehört der Haken für einen Topf. Wenn wir den Haken für einen Hering schnitzen, natürlich andersherum.

4. Rundnut

Die Rundnut dient dem Verbinden zweier Hölzer. Sie kann auch beim Packrahmen verwendet werden, oder mit dem reduzierten Durchmesser von oben kombiniert werden, oder oder oder.

Die Größe ist egal. Wichtiger ist es, heraus zu finden, wie man mit seinem Messer eine runde Nut schnitzen kann. Versucht es selbst! Wie genau man sie am besten rund bekommt, hängt auch vom verwendeten Messer ab.

5. Schwalbenschwanz

Der Schwalbenschwanz ist eine klassische Holzverbindung. Sie dient dem Verbinden zweier Stücke Holz. Dazu wird eine Nut geschnitzt und schließlich das passende Gegenstück eingepasst. Bilder sagen bekanntlich ja mehr als tausend Worte. Deswegen spare ich mir an dieser Stelle einmal eine detaillierte Beschreibung.

6. 90° Nut

Die 90° Nut findet in erster Linie bei Auslösern für Fallen ihre Verwendung. Allerdings kann sie etwas größer in stärkerem Holz auch als Wiederlager für Sprossen bei einer Leiter dienen.

7. Kasten

Der Kasten dient in erster Linie der Übung. Aber eine flache gerade Fläche oder mehrere an beliebiger Stelle können bei verschiedenen Konstruktionen doch mal nützlich sein. Die Technik, diesen Kasten herzustellen, ähnelt dem verringertem Durchmesser.

8. Die Pfeilnocke

Wozu diess Schnitzwerk dient erklärt sich von selbst! So bekommt man die Nocke in einen Pfeil oder Schafft sich eine Kerbe, um eine Pfeilspitze aus Naturmaterial einzupassen.

Zu erst werden zwei rechtwinklige Nuten gegenüber eingeschnitzt.

Im 90° Winkel zu den Beiden werden zwei kleine Kerben gegenüberliegend eingeschnitzt.

In letztere Kerben Sticht man sachte mit dem Messer ein. Nur nicht sehr Tief.

In die ersten Kerben schneidet man nun in Richtung der kleineren Kerben tief ein.

Schließlich lässt sich das ganze ganz leicht und sauber auseinander brechen.

Fertig ist die Nocke.

9. Bogensehennut

Diese Nut ist ähnlich dem Topfhaken. Nur kleiner, runder und flacher. Wozu sie dient, brauche ich denke ich nicht zu erklären. Die Herstellung ergibt sich von selbst. Wichtig ist nur der richtige Winkel, damit die spätere Bogensehne gut geführt wird und schließlich auch, dass sie wirklich rund und ohne scharfe Kanten geschnitzt wurde. Letzteres ist wichtig, damit die Sehne im Schuss nicht reißt.

10. Der Durchbruch

Eine weitere Holzverbindung. Damit können wir sowohl zwei Hölzer verbinden, wie sie hier zur Übung geschnitzt werden oder aber beispielsweise den Schwalbenschwanz durchstoßen und dann mittels geschnitztem Dübel sichern. Auch hier erklären die Bilder mehr, als ich erklären kann.

Immer schön auf die Klingenführung achten!

11. Der Spatel

Der Spatel kann als Kochutensil, zum entrinden oder für Fallen verwendet werden. Zu schnitzen ist er sehr einfach.

Lange, kraftvolle Schnitte werden vor dem Brustkorb ausgeführt. Die Kraft für den Schnitt kommt hier aus den Schultermuskeln. Wichtig auch hierbei: Die Klinge bewegt sich vom Körper weg.

Zu guter Letzt!

Versucht es selbst, variiert mit der Stockdicke und überlegt euch, wofür ihr was alles einsetzen könnt. Vielleicht sieht euer Try-Stick ja anders aus? Ihr lasst was weg, oder wollt mehr? Macht es.

Viel Spaß und stay on Lynx-Trail(.de)