Charred cloth – verkohlter Stoff

Das Ergebnis ganz oben, Mittel zur Herstellung darunter.

Verkohlter Stoff oder auch charred cloth (im englischen Sprachraum gebräuchlich) ist ein seit Jahrhunterten verwendetes Mittel, um Funken von Feuerstein und Stahl aufzufangen, in Glut zu verwandeln und dann in Zunder zu übertragen. Nachteil dieser Methode des Feuer-Machens ist jedoch, dass das Material (Stoff) gut vorbereitet sein will. Außerdem muss der verkohlte Stoff gut gegen Feuchtigkeit geschützt werden. Gleichzeitig ist Wind jedoch kein Problem, im Gegenteil. Wind hilft uns sogar beim übertragen der Glut in den Zunder, um diesen dann zu entzünden! Zudem ist er ein gutes Mittel, den echten Zunderschwamm zu umgehen, da dieser unter Naturschutz steht und somit eher schwierig zu bekommen ist. Stammholz am Wegesrand ist eine Option, wenn es dort zur Abholung für die holzbearbeitende Industrie bereit liegt und an diesen Stämmen der Pilz wächst oder befallene Bäume im Garten.

Was benötigen wir?

Starten wir mit dem Grundmaterial:

  • gut schließende Blechdose
  • einen soliden Nagel o.ä.
  • Hammer o.ä.
  • Baumwollstoff (oder einen anderen 100% Naturstoff außer Wolle)

Es geht jede beliebige Blechdose, solange sie gut wieder verschließbar ist. Allerdings darf beim verkohlen kein Kunststoff mehr anhaften. Weder Dichtungen, noch Beschichtungen. Die Dosen sollten dazu auch vor den ersten Schritten gut gesäubert werden. Dann können wir beginnen.

Wie bereiten wir die Dose vor?

Der Nagel wird mittig eingeschlagen. Wozu dies dient, verrate ich später!

Wenn das Loch im Deckel ist, werden Deckel und Dose sauber im Feuer ausgebrannt, damit keine Kunststoffreste mehr an der Dose sind. Diese verkleben gerne schon einmal die Dose beim Verkohlen und das öffnen wird schwierig. Ein leichter Schimmer ist am Ende von der Beschichtung ähnlich der Schrift auf verbrannter Zeitung noch vorhanden. Dieser ist nicht mehr schlimm und hinterlässt nur ein wenig Schmutz an den Fingern. Allerdings lässt sich das mit einem Baumwoll Lappen bequem entfernen. Dieser kann hinterher auch mit verkohlt werden. So verschwenden wir nichts.

Beim Herausholen der Dose(n) daran denken, dass sie heiß sind! Deswegen gehören die guten Stücke auch auf eine Feuerfeste Unterlage und sollen dort auskühlen. Praktischer Weise geht dies bei dem dünnen Stahlblech sehr schnell und schon können wir weiter arbeiten.

Das Verkohlen

Zu erst wird nun der Baumwollstoff in kleine mehr oder wenig quadratische Stücke geschnitten, die sich in die Dose legen lassen. Das können alte Kleidungsstücke wie z.B. Jeans oder T-Shirts sein. Wichtig ist nur 100% natürliche Pflanzenfaser. Dünne Stoffe nehmen die Funken etwas besser an, als dicke Stoffe wie Jeans. Dafür glühen sie etwas länger. Probiert einfach damit herum und sammelt eigene Erfahrungen, um gute Ergebnisse zu erzielen.

Ist die Dose dicht befüllt, wird der Deckel geschlossen…

… und die Dose in eine heiße Stelle des Feuers gelegt. Nach einiger zeit tritt Rauch aus. Dies ist ein gutes Zeichen. Es kommt jedoch auch vor, dass:

… sich die Rauchgase entzünden. Dies ist völlig normal und in Ordnung. Es dauert seine Zeit. Leider gibt es hier keine sichere Zeit, die ich nennen könnte. Es ist jedoch wichtig, dass der Stoff ausreichend lange in Dose und Feuer verkohlen kann. Ein guter Indikator ist der Rauch bzw die kleine Flamme aus dem Loch. So lange diese vorhanden sind, muss die Dose im Feuer verbleiben. Da es vorkommt, dass Rauch zeitweilig pausiert, heißt es auch nach dem Ende des Rauches noch einige Minuten zu warten. Kommt dann kein Rauch mehr, ist der Stoff fertig verkohlt.

Aber die Dose darf unter keinen Umständen sofort geöffnet werden. Weiterhin muss das Loch einige Zeit verschlossen werden.

Ich drehe die Dose dazu um oder lege etwas kleines, flaches wie z.B. eine Münze oder flachen Stein darauf. Das Auskühlen geht recht schnell. Aber leider kann zu frühes Öffnen dazu führen, dass der Stoff wieder zu glühen oder brennen anfängt, wodurch die Arbeit zu nichte wird.

Als Trick und weil ich Outdoors an möglichst Energie effizientem Vorgehen interessiert bin (was ja auch in einer Überlebenssituation hilft), mache ich den Stoff beim Kochen. Alles Vorbereiten und sobald mein Essen ins Feuer kommt, werfe ich die Dose in die Flammen hinzu. Ist das essen fertig, ist auch meine Dose fertig. Nun entferne ich beides aus den Flammen und die Dose wird während des Essens zum Auskühlen gelagert. Dann aufräumen und schließlich wenn alles fertig ist, ist auch die Dose fertig und wird wieder eingepackt. Das Schöne bei der Dose ist, dass sie auch gut zum Transport bestens geeignet ist.

Der besondere Moment: Ist das Werk gelungen oder nicht?
So soll es aussehen: gleichmäßig verkohlter Stoff. Aber das Volumen ist geschwunden.
Test: Man entnimmt ein Läppchen und versucht es auseinander zu zupfen. Geht es leicht, ohne zu zerfallen, wenn man es festhält, ist der Zustand optimal.

Wie geht es nun weiter?

Der Rest ist nun nur noch Übung. Feuerstahl und -stein wollen geübt werden, aber es ist keine Herausforderung.

Ein verkohltes Läppchen unter den Stein halten, dass es heraussteht. (Je schärfer die Kante des Steines, desto leichter entstehen funken)
Nun wird der Stahl scharf über die Kante des Steines geschlagen, so dass Funken auf das Läppchen geworfen werden. Der Winkel benötigt ein wenig Übung und jeder macht da seine eigenen Erfahrungen.
Ein winziger funke reicht aus. Beginnt es zu glühen reicht ganz sachtes Blasen, um die Glut anzufachen.

Gibt es Alternativen zum Stoff?

Ja und nein. Dazu habe ich Experimente mit verschiedenen Materialien durchgeführt. Nicht alle taugten, waren brauchbar oder leicht zu handhaben. Aber grundsätzlich war es dennoch aufschlussreich.

Die Materialien zum Test: Bastgewebe (Linde), Gras, Laub und Moos)

Gras

Das Ergebnis sah zunächst gut aus. Dann erwies sich jedoch das Handling als überaus schwierig. Das Gras zerbröselt sofort und so blieb mir nur noch, zu versuchen die Funken in die Dose zu schlagen. Einige wenige flogen wirkungslos hinein und so versuchte ich es auf dem Stamm. Als auch dies erfolglos war, kam der gute Auermetall-Stab zum Einsatz. Tatsächlich brachten nun endlich diese Funken ein wenig Glut hervor. Doch noch bevor ich sachte pusten konnte, waren sie wieder verloschen.

Moos

Im Grunde verhielt sich Moos genau so wie Gras. Handling nicht gut, nimmt keine Funken an, Auermetall versagt ebenfalls. Folglich ist auch Moos ungeeignet.

Laub

Laub ist offenbar noch ungeeigneter als Moos oder Gras. Es wirkt im ersten Moment effekiv und brauch bar. Doch es zerfällt bei leichter Berührung sofort und damit ist das Handling noch ungünstiger, als bei den ersten beiden Versuchen. Hat man dieses Problem gelöst, nimmt das Laub jedoch auch keine Funken an. Weder vom Stein, noch vom Auermetall. Schade!

Lindenbast

Lindenbast will erst einmal gewonnen werden. Dazu wird ein Linden Ast entrindet und das Faserige Material zwischen Rinde und Holz gewonnen. Dieses wird dann mit den Fingern noch weiter zerfasert und in die Dose gesteckt. Auch wenn das Handling nicht so einfach ist, wie die Läppchen, geht es mit ein wenig tricksen doch sehr einfach, den verkohlten Bast zu entzünden.

Mein Fazit

Auch wenn ich diese Methode liebe, um mein Feuer zu entfachen, ist sie dennoch keine wirklich gute Technik in einer Survival Situation. Sie erfordert spezielles Material und Vorbereitung. Da ist unser Auermetall wesentlich vielseitiger und effektiver. Alleine vom Volumen her. Aber dennoch mag ich diese Technik einfach und es macht mir Spaß, damit feuer zu entfachen. Alleine schon deshalb, wird bei mir in Zukunft immer eine zweite Dose dabei sein, um weitere Materialien zu testen, wenn ich die Gelegenheit habe. Erfahrung und Routine, bekommt man nur durch üben und testen!

In diesem Sinne,

Stay on (Lynx-) Trail!