Feuer bohren – Bow drill

Sieht gut aus? Trotzdem weiter bohren…

Zu sagen, ich wäre ein Meister- oder auch nur Geselle- dieser Technik, wäre gelogen. Mein Fehler bisher ist schlicht mangelnde Übung. Ich habe es immer mal wieder gemacht und es hat immer mal wieder funktioniert (oder auch nicht!) Zur Zeit probiere ich es intensiv und merze Stück für Stück meine Fehler aus. Warum? Nun, ich will Wissen vermitteln und mich auf meine Fähigkeiten verlassen können. Feuer ist meine Disziplin. Und eben diese Technik hapert. Aber dagegen gibt es glücklicherweise ein probates Mittel: Training! Seit einigen Tagen beschäftige ich mich täglich damit und experimentiere. Das Ergebnis? Ich werde kontinuierlich besser und entdecke immer neue Fehler.

Der Bogen

Es kommt auf die richtige Länge an. Eine gute Länge ist etwa von der Schulter bis zu den Fingerspitzen. Damit kann man in sauberen und langen Zügen den Bogen bewegen, um den Bohrer in Rotation zu versetzen.

Der klassische, starre Bogen. Manch einer mag ihn noch weiter gebogen. Ich habe für mich festgestellt, dass ich mit diesem Bogen nicht so gut klar komme. Eine Alternative folgt.

Ein alternativer Bogen ist beidseitig abgeflacht und etwas biegsamer, wenn auch nicht leicht biegsam. Am einen Ende wird die Bogenkerbe eingeschnitzt und die Schnur mittels Bogenknoten (oder Zimmermanssteg) verknotet. Am anderen Ende schnitzen wir einen Spatel mit Durchbruch. Beide Schnitzarbeiten habe ich bereits beim Try-Stick erklärt. Durch den Durchbruch wird die Schnur gefädelt und mittels Slipknot fixiert. Dadurch ist die Spannung sehr einfach zu kontrollieren. Beim Bohren an sich, kann man mittels Daumen, Zeige- und Mittelfinger die Spannung zusätzlich beeinflussen.

Die verwendete Schnur kann im Grunde jede geeignete sein. Paracord und Schnürsenkel sind mit am besten. Letztere hat man ja auch fast immer im Norfall dabei.

Wichtig bei der Spannung ist, dass sie weder zu fest, noch zu lose ist. Klingt doof? Anders kann man es aber nicht sagen. Zu Lose und nichts passiert. Zu stramm und ständig fliegt der Bohrer weg und die Schnur verschleißt wirklich schnell. Leider gibt es da keinen echten Leitwert und so hilft nur üben und nicht aufgeben.

Der Bohrer

Grundlegend sollte der Bohrer Daumendick sein und ca 30cm lang. Mindestens jedoch von kleinem Finger bis Daumen bei ausgespreizter Hand. Ein Ende schön rund zum Bohren und ein Ende spitzt für das Lager im Wiederlager. Die umlaufende Kerbe war in der Theorie eine gute Idee. In der Praxis allerdings echt mies. Der Bohrer muss aus trockenem aber festem Holz sein. Also Totholz suchen!

Das Wiederlager

Ich habe Totes Holz verwendet. Doch auch Frisches kann man nehmen. Hauptsache, es liegt gut in der Hand und ist eher hart. Es sollten mindestens 3 mal neue Löcher für den Bohrer gemacht werden können. In das Wiederlager gehört ein kleines Loch, welches die Spitze des Bohrers aufnimmt, damit der Bohrer sicher an Ort und stelle gehalten wird. Dieses wird einfach mit der Messerspitze hineingeschnitten.

Das Bohrbrett

Das gute Stück sollte ca 2cm dick sein. Wichtig ist, dass es gut auf dem Boden liegt und nicht wackelt, wenn man es mit einem Fuß fixiert. Ein Loch für den Bohrer wird vorgeschnitten. Dabei ist die Mitte etwa 1,5 fache Bohrerdicke vom Rand entfernt. Dies sorgt für Sicherheit beim Bohren. Denn sonst hat der Bohrer keinen sicheren Halt.

Die Kerbe wird erst nach dem Einlaufen eingeschnitzt! Dazu spannt man den Bohrer in den Bogen, setzt ihn am Brett an und legt das Wiederlager auf. Langsam beginnt man nun mit dem Bohren und lässt alles einlaufen. Ist der Bohrer im Brett eingelaufen, wird die Kerbe eingeschnitzt.

Andere Varianten für Bohrbretter…

  • Das Bohrloch an einer Stirnseite, vereinfacht eine oberflächliche Kerbe, wenn es an Zeit oder geeignetem Messer mangelt.
  • Ein Bohrloch, welches vorgebohrt wird und dann von der Gegenseite durchgebohrt wird. So sammelt sich der Staub im unteren Loch und speichert die Hitze effektiver, als in einer seitlichen Kerbe.
  • Zwei Äste aneinandergeknotet und beidseitig gebohrt. Hier sammelt sich der Staub wieder im unteren Loch.

Die eigentliche Arbeit

  • Den Bohrer in den Bogen einspannen. Dabei gehört er auf die Aussenseite des Bogens und nicht zwischen Sehne und Bogen!
  • Der Bohrer wird mit Bogen in das Bohrbrett eingesetzt und mittels Wiederlager fixiert.
  • Die starke Hand führt den bohrer. In die andere gehört das Wiederlager. Diese Hand wird eingeknickt und der Daumen muss am Schienbein anliegen. So wackelt nichts und kaum Kraft wird benötigt.
  • Anbohren und alles einlaufen lassen!
  • Die Kerbe in das Bohrbrett schnitzen, den Bohrer ggf noch einmal leicht nach schnitzen. Spannung im Bogen kontrollieren.
  • Jetzt muss alles bereit sein! Material fürs Feuer, Zunder in Position! Der Zunder kann z.B. unter dem Bohrbrett sein. Unter die Kerbe und dem Bohrloch ein Blatt oder Brettchen legen, dass den Bohrstaub auffängt.
  • Alles in Position? Dann beginnt das Bohren. Langsam und mit Druck. Die Kerbe fängt an, sich mit Bohrstauf zu füllen. Sie muss voll sein und dann gerne überquellen. Wenn es bereits jetzt qualmt, ignoriert das!
  • Die Kerbe ist voll? Nun gilt es den Druck auf den Bohrer zu erhöhen und dran zubleiben. Lange und schnelle Züge! Auf keinen Fall kurze Züge mit dem Bogen. Lang und gleichmäßig ist besser als kurz. Bohrt nun schnell, lange und mit Kraft.
  • Nach einem Endspurt, nehmt vorsichtig den Bohrer weg und beobachtet den Qualm. Maximal langsam mit der Hand Luft zu fächern. Pusten ist nicht nötig. Bleibt ruhig. Qualmt es nach ca 30 Sekunden immer noch? Herzlichen Glückwunsch.
  • Noch etwas warten! Dann sanft den Bohrstaub aus der Kerbe lösen (mit dem Messer o.ä.) und in den Zunder übertragen.
  • Hier geht es nun weiter!

Der wichtigste Punkt: ÜBEN UND EXPERIMENTIEREN! Folgt keinem Kanon;-)

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