Die Debris-Hut

Mal überlegen, wo finde ich hier Trümmer?

Der Begriff Debris-Hut stammt aus dem Englischen. Wörtlich übersetzt bedeutet dies Trümmer-Hütte. Die Kunst dieser Notunterkunft besteht darin, sich aus der Umgebung am Baumaterial zu bedienen und eine brauchbare Unterkunft für einen gewissen Zeitraum zu schaffen. Dabei kann man mehrere Wege einschlagen. Entweder nur als Wetterschutz vor Wind und Regen oder aber auch als Schlafsackersatz. Eine Debris-Hut bietet sich in erster Linie auch nur dann an, wenn Feuer keine Option ist, weil sie ein paar Nachteile hat. Unter anderem ist der Bauaufwand sehr hoch und bedarf viel Material. Da ist ein offenes Lean to schneller und einfacher gebaut und auch mit einem Feuer gut beheizt. Gleichzeitig ist meine eigene Erfahrung, dass eine Debris leicht mit Fehlern gebaut und genutzt wird, so dass man im Laufe der Nacht auskühlt. Dadurch habe ich mir bei meinen ersten Versuchen durchaus Unterkühlungen zu gezogen. Aber immer wieder versucht und mich schlau gemacht.

Der Bau

Als Material kann man zwar grundsätzlich alles Mögliche nehmen, aber als Naturmaterial, bietet sich Laub am besten an. Sogar feuchtes oder nasses Laub geht. Die Körperwärme trockntet die nahesten Schichten gut genug. Und mit ein wenig suchen findet man oft auch noch trockene Laubbereiche, die nahe am Körper platziert werden können.

Als erstes kümmere ich mich um die Isolierung vor der Bodenkälte. So bietet sich zunächst eine Schicht aus Ästen an. Der Durchmesser sollte wenigstens zwei Fringer Dick sein, die Länge etwas mehr als Schulterbreit. Es dürfte sich von selbst erklären, dass die Fläche ein Stück breiter und Länger sein sollte, als der eigene Körper. Dazu lege ich mich auf den Boden, um zu prüfen, wie es sich dort generell liegt und markiere die Bereiche durch entfernen von Laub, dem legen von Ästen usw.

Der Markierte Bereich wird nun mit Ästen ausgelegt. Diese werden quer zur Liegerichtung ausgerichtet. Je glatter die Äste sind, desto besser. Also sollten keine Zweige an den Ästen nach oben stehen, da man später darauf liegt. Aber auch dafür legt man sich immer wieder auf die Fläche, um den Liegekomfort zu testen. Lufträume sind hier ein großer Bonus, da Luft ein prima Isolator ist. Passen die Äste nicht gut zusammen, kann man umlegen oder kleinere Äste einfügen oder sogar Fichtenzapfen etc. verwenden.

Ich kann nur immer wieder betonen, wie wichtig es ist, wieder und wieder Probe zuliegen. Denn nur so merkt man, wie komfortabel die Fläche ist und ob sie ausreichend Isoliert. Dabei sollte man mindestens 15 Minuten liegen bleiben. Dabei schaue ich ständig über mich, damit ich mir sicher sein kann, dass dort keine Witwenmacher (also Totholz) ist, welche in der Nacht auf mich herabstürzen könnten.

Passt das Probeliegen und nichts sticht oder drückt, so geht es weiter. Nur die Äste alleine Isolieren nicht ausreichend. Als weitere Isolation wird nun Laub aufgetragen. Die erste Schicht trage ich bis auf Kniehöhe auf. Dann wird diese Schicht Probe gelegen. Auch jetzt heißt es wieder etwa 15 Minuten faul herum liegen und die Aussicht genießen. Fallen dabei unbequeme Stellen auf, merkt man sich diese und besser sie aus. Jeder hat ein anderes Kälteempfinden, die Kleidung, der Boden und die Lufttemperatur etc. verhindern, dass man eine Faustformel für die Dicke des Bodens angeben kann. Generell packe ich lieber nochmal das doppelte drauf, wenn ich meine, es reicht.

Nur der Anfang!
Probeliegen

Das Probeliegen fürht auch dazu, dass Luft als isolator im Laub eingeschlossen wird und im anschluss drücke ich die Liegefläche noch zusätzlich an, um dann nocheinmal so viel Laub aufzutragen. Auch diese Schicht wird dann ausführlich Probegelegen.

Je dicker, desto besser! Dadurch habt ihr mehr Liegekomfort und eine bessere Isolation.

Die dicke der isolation wirkt sich natürlich auch auf den Liegekomfort aus. Hier bestimmt ihr, wie ihr am bequemsten liegt! Also schludert nicht. Denn ein erholsamer Schlaf ist nie zu unterschätzen. Besonders in einer Survival Situation nicht. Schlaf erneuert die Energiereserven und die welt sieht besser aus. Wer hat schon einen brauchbaren Arbeitstag, wenn man die Nacht nicht vernünftig geschlafen hat?

Passt der Boden der Debris, geht es auch schon an den oberen Teil. Aus zwei Astgabeln formt man am Kopfende und Eingang ein Dreieck, auf weches man den First auflegt. Mindest die 1 1/2 fache Länge des eigenen Körpers sollte dieser lang sein.Am Fußende erhöhe ich ihn mir sehr gerne für etwas mehr Freiheit.

Wichtig beim First ist, dass er möglichst Mittig über der Längsachse der Liegefläche verläuft. Auch hier gilt wieder Probeliegen, weil der First unseren späteren Innenraum der Debris vorgibt.

Nun müssen wieder Äste gesammelt werden, um sie an den First zu lehnen, wodurch sich das Dach bildet. Dafür benötigen wir Äste und stöcke in verschiedenen Längen. Ich bevorzuge es, am fußende mit einer Seite Anzufangen und dann gen Öffnung zu arbeiten.

Während die Wände wachsen, wird der so entstehende Hohlraum mit Laub ausgestopft und gefüllt. Dabei lohnt es sich, beide Seiten etwa gleich weiterzubauen, dann ein Stück ausfüllen und wieder weiter bauen. Man kann aber auch Äste, die in der Länge gut passen aber auch bereits platzieren. Wie ihr es machen wollt, ist letztlich Euch überlassen. Daher probiert es einfach mal selbst aus und schaut, wie es Euch am besten von der Hand geht.

Wenn alles ausgefüllt ist und die Seiten auch vollkommen geschlossen sind, wird der Eingang noch verkleinert, um die Isolation zu verbessern.

Ist auch das vollbracht, gibt es eigentlich nur noch eines zu tun:
Laub auf alles drauf werfen. Je dicker und fester, desto besser! Diese Schicht hat nun zusätzlich zur aufgabe der Isolation noch die Aufgabe, das Innere und vor alem uns vor Wind und Wetter zu schützen. Daher muss diese Schicht dick, festgepresst und vor allem dichtgepresst sein. Laub wird nun von unten nach oben aufgeschichtet und immer wieder festgepresst. Auf dem First ist es besonders wichtig, dass das Laub gut angepresst ist und besonders, wenn Äste der Konstruktion aus dem Laubheraus stehen können sich bei unachtsamer Arbeit Brücken bilden, durch welche sowohl kälte, als auch Wasser eindringen könnten. festgepresstes Laub u.ä. helfen hier immens.

Zu guter Letzt gehört noch ein ordentlicher Laubhaufen vor den Eingang, damit der Eingang auch zugezogen werden kann. Dadurch gewinnt man erneut ein paar grad Celsius. Das Einsteigen in die Debris ist wirkliche Arbeit! Mit den Füßen voraus schiebt, dreht und arbeitet man sich zwischen die feste Schicht der Bodenisolierung und der darüberbefindlichen Füllung. Die Arbeit wollt ihr nicht zweimal in einer nacht machen! Nehmt daher eine Flasche mit rein. wenn ihr dann mal müsst, habt ihr eine Wärmflasche. Klingt eklig? Besser so, als zu Unterkühlen oder gar zu erfrieren. Und auch dadurch gewinnt man ein paar grad Celsius und minimiert seinen Wärmeverlust. Gleichzeitig wärmt die Arbeit um in die Hütte zu kommen den Körper ordentlich auf. Diese Wärme nimmt man mit in die Debris und wird ebenfalls gespeichert.

Das Tuch habe ich mir in erster Linie überden Kopf gezogen, damit ich später nicht alles Laub aus der Hütte in meinen Haaren hängen habe, aber auch so Isoliert man sich zusätzlich. Ich bin einige Minuten noch liegen geblieben und habe nur hemd, T-Shirt und Hose getragen. Der Effekt der Hütte war beeindruckend. Ich habe mich wie im Garkessel gefühlt.

Je nach Temperatur lässt sich die äußere Schicht noch anpassen, also dicker gestalten. Zu dünn ist jedoch gar nichts, weil so der Witterungsschutz geringer wird. Es helfen auch hier nur Erfahrungswerte aus eigenen Versuchen. Um ein gefühl für die äußere Schicht zu bekommen, rate ich mal nur das ‘Dach’ zu bauen. Dann könnt ihr von innen mal begutachten, wo Licht einfällt und wie Dick die Schicht sein müsste, damit sie wirklich schützt.

Geht raus und macht!

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