Die Fährtenkiste

Seit Jahren wollte ich mir meine eigene Fährtenkiste bauen. Aber bisher war Platz ein Hinderniss. Aber nun, wo ich die Gelegenheit habe, wolte ich sie endlich nutzen. Und so begann das Projekt!

Was ist eine Fährtenkiste?

Die Antort ist simpel. Die Fährtenkiste ist eigentlich nur ein Sandkasten für uns Fährtenleser bzw. jene, die es werden wollen. Der richtige Sand (Spielsand ist bestens geeignet!) konserviert unglaublich gut selbst kleinste Details in Fährten und Abdrücken. Wenn wir also begreifen wollen, wie die Auswirkungen von Bewegungen eines Lebewesens in seinen Fährten sind, können wir sie in der Kiste machen. Als Fährtenleser können wir verschiedenste Bewegungen, Geschwindigkeiten, Handlungen etc durchführen oder sogar unsere Haustiere in die Box lund sie dort Dinge tun lassen. Dabei beobachten wir exakt, was wir selbst, oder unser ‘Opfer’ in der Box getan haben und analysieren so die Spur und suchen nach den Details in dem abdruck. Zu zweit oder in einer Gruppe lassen sich sogar Spiele verwirklichen!

Ein Beispiel ist das Sherlock holmes -Spiel, wie es der Ralf Greiner der Kojote Akademie nennt. Dabei Drehen sich alle Teilnehmer um, während einer oder zwei Etwas in der Kiste macht. Was genau das ist, ist der Kreativität überlassen. Ist die spur gelegt, drehen sich die anderen um und versuchen anhand der Spuren im Sand heraus zu finden, was geschehen ist. Beim Tracker Kurs an der Kojote akademie, haben wir Stunden bei diesem Spiel verbracht und noch im Dunkeln nur mit unseren Lampen gegenseitige Rätsel gelöst.

Der Beginn und die Planung

Eigentlich sind die Maße beinahe egal. Aber je größer, desto mehr lässt sich halt machen. Folglich habe ich mich für 2 Meter zu einem Meter und 13cm Höhe entschieden. Das meiste Material hatte ich aus einem anderen Projekt und noch so herumliegen. Daher sind noch einige Bohrlöcher im Holz oder die Teichplane gebraucht. Das spielt aber auch keine Rolle, denn schließlichmüssen wir nicht immer alles wegwerfen oder komplett neu anschaffen, wenn wir altes neu verwenden können.

Das Material

Ich liste hier das von mir verwendete Material ab. Mengen und Maße können sich natürlich bei anderen Größen ändern!

  • Holz für den Rahmen je 2 mal 1m Lange und 2m lange Bretter, ca 3cm dick und 13cm breit
  • 4 Winkel
  • Teichfolie
  • 8 Schrauben 5×60 je 2 an den Kanten
  • 3×30 Schrauben für die Winkel
  • 2x3m Plane zum Abdecken des Kastens
  • 200l (ca 250kg) Spielsand (1l entspricht einem dm³; Füllhöhe sind 10cm also ein dm. Länge 2m = 20dm und Breite 1m = 10dm. Daraus ergibt sich: 20 dm x 10 dm x 1dm = 200dm =200l

Der Bau

Im Grunde sagen hier Bilder mehr als tausend Worte.

Wie geht es nun weiter?

Wie ich oben bereits erklärte, gibt es viele Möglichkeiten. Kernaufgabe dieser Fährtenkiste ist jedoch das Erlernen der Basis. In der Kiste begreift man am schnellsten, wie sich eine Spur entwickelt und welche Zeichen zu welcher Bewegung gehören. Ich selber kann aus meiner Erfahrung in erster Linie leider nur das Englisch sprachige Buch The Science and Art of Tracking von Tom Brown jr. empfehlen. Er arbeitet verschiedene Dinge so simpel und effektiv heraus und schafft es sie in diesem Buch effektiv zu erklären. Schade ist nur, dass es kein vergleichbares buch in Deutsch gibt. Zwar versucht es ein Autor, doch bleibt das Buch ‘Wie lerne ich Spurenlesen’ von Hans-Jörg Kriebel eher ein Versuch. Denn sowohl Bilder, Grafiken und Zeichnungen wirken sehr lieblos und wenn man einen Kurs besucht hat, der auf Tom BrownsMethode basiert, erkennt man sehr schnell, dass es sich bei dem Buch lediglich um die Notizen eines Lehrgangsteilnehmers handelt und mit diesen kann man eben nur wenig anfangen, wenn man selbst nicht an diesem teilgenommen hat.

Und auch jetzt ist der Sand mehr zum begreifen, denn solch hervorragende Abdrücke, bzw überhaupt detailreiche Abdrücke (wie z.B. auch in Lehm, Schlamm oder Schnee) machen wohl nur knapp 5% aller Spuren aus. Aber die Grundlagen lassen sich nirgends so sicher und gut erlernen, wie in dieser Kiste. Hat man erstmal verstanden, welche Zeichen eine Bewegung hier hinterlässt, muss man nur noch die anderen Untergründe verstehen lernen und kann dieses Wissen dann auch auf Gras, Laub und sogar Stein übertragen.

Und je höher unsere Fertigkeiten werden, desto hilfreicher ist die Kiste beim Verstehen von noch unbekannten Zeichen im Dreck!

Meine Fährtenleser Tasche

Dieses Bild hat ein leeres Alt-Attribut. Der Dateiname ist PA260101.jpg
Die Tasche habe ich aus Leder selbst genäht und an meine Bedürfnisse angepasst. Doch was und wie muss letztlich jeder für sich selbst entscheiden.

Ein weiterer Artikel zu Equipment? Ich selber stehe ehrlich gesagt nicht so auf Produkt Reviews oder ständige Equipment Beiträge. Doch für manche Grundlagen ist das leider notwendig. So auch für das Fährtenlesen.

Dieses Bild hat ein leeres Alt-Attribut. Der Dateiname ist PA260104.jpg
Zu gegeben, das wirkt im ersten Moment sehr unübersichtlich…

Der Inhalt

Handschuhe

Hängen stabile Arbeitshandschuhe an meinem Gürtel, so habe ich in meinem Fährtenleser Equipment mehrere Paar Einweghandschuhe, immer paarweise zusammen gefalten wie Socken. Das erspart mir viel kramen, weil ich so immer ein Paar greife. Die Handschuhe dienen mehreren Zwecken. Erstens kann ich mich so auch mit sehr unappetitlichen Hinterlassenschaften intensiv beschäftigen und beispielsweise Losung sehr detailliert aus einander dröseln, um selbst kleine Details feststellen. Darunter fallen beispielsweise Überreste der Nahrung. Zweitens schütze ich mich so vor Schadorganismen, wie z. B. dem kleinen Fuchsbandwurm. Bei diesem muss man jedoch vor allem bei trockenem Kot darauf achten, dass die Eier nur so groß wie ein Staubkorn sind. Folglich kann auch eine Übertragung über die Atemwege erfolgen. Bin ich mit der Untersuchung fertig, ziehe ich mir einen Handschuh aus, nehme ihn in die behandschuhte Hand, halte ihn dort und streife den Anderen darüber ab. So sind sie wieder in einem Paket. Jetzt noch den Handschuh verknoten und alles ist sauber verpackt.

Taschenlampe

Ich verwende eine LED Taschenlampe und Farbfilter. Diese helfen mir bei jedem Untergrund einen passenden Farbkontrast herzustellen, um so auch kleine Details erkennen zu können. Ist die Sonneneinstrahlung zu stark, behelfe ich mir mir allem erdenklichen, um einen Schatten zu erzeugen. Üblicherweise nutze ich sie jedoch nur selten und so habe ich stets den roten Filter eingelegt, um mir im Dunkeln nicht zu sehr meine Nachtsicht zu versauen, wenn ich sie benutze. Blut lässt isch vor allem im Dunkeln jedoch mit Blau hervorragend sichtbar machen.

Maßband

Das Maßband sollte denke ich selbsterklärend sein. Ich verwende ein kleines von 3m Länge.

Bleistift

Der Bleistift ist ein Druckbleistift und ich führe stets Minen mit. So entfällt das lästige Anspitzen und Abbrechen der Spitze bei normalen Bleistiften.

Schnur

Leichte Schnur von je etwa 15m. Diese wird für verschiedene Markierungen an der Fährte verwendet. Details dazu kommen in einem separaten Beitrag über das Arbeiten an der Fährte bzw das Fährtenlesen an sich.

Die Tracking Sticks

Diese kleinen Stäbchen (Eisstiele oder komplett selbst gefertigt) werden an einer Seite mittels vier Schnitte angespitzt und beim Fährtenlesen an die einzelnen Abdrücke gesteckt, um diese zu markieren. Auf diese Art und Weise, kann man eine komplette Fährte markieren und abarbeiten.

Der Fährtenstab

Mit ihm möchte ich mich noch einmal separat beschäftigen und ich führe diesen Daumen dicken und etwa 1m langen Stock nur der Vollständigkeit halber hier auf. Er ist jedoch so nützlich, dass er richtig eingesetzt, mein gesamtes Equipment ersetzen könnte.

Dirt Time

Das Buch habe ich vom Ralf Greiner (www.kojote-akademie.de) erworben. Klar, ein einfaches Notizbuch täte es auch. Aber je intensiver ich mit einer Abdruck oder einer Fährte arbeite, desto lieber ist mir dieses Buch. Viele nützliche Details werden dort in Erinnerung gerufen und man beginnt, sich mehr mit den Fragen um die Fährte zu beschäftigen, als sie sofort zu interpretieren. Gerade die Fragen, sind für meinen Geschmack das wichtigste und schützen vor Fehlern in der Interpretation.

An dieser Stelle möchte ich ausdrücklich darauf hinweisen, dass dies keine Bezahlte Werbung ist und ich über dieses Buch schreibe, weil es mir gefällt und ich den Ralf unterstützen möchte. Außerdem fällt das hier abgebildete Buch unter sein Urheberrecht.

Dieses Bild hat ein leeres Alt-Attribut. Der Dateiname ist PA260106.jpg
Der erste Blick ins Buch. Eine übersichtliche Ein- und Anleitung
Dieses Bild hat ein leeres Alt-Attribut. Der Dateiname ist PA260107.jpg
Weitere nützliche Details.
Dieses Bild hat ein leeres Alt-Attribut. Der Dateiname ist PA260108.jpg
Kleine Hilfen
Dieses Bild hat ein leeres Alt-Attribut. Der Dateiname ist PA260109.jpg
So sieht es dann aus, wenn man die zwei Seiten bearbeitet hat.

Fährtenlesen

Arbeit an einer Fährte mit meinem ‘Werkzeug’

Bereits in meiner Kindheit, hat mich das Fährtenlesen gepackt. Der Boden konservierte, wer oder was dort war. Dann das Entdecken, der weiteren Spuren und begreifen, Spuren sind dreidimensional im Raum und nicht nur im Dreck.

Die Suche nach System und Lehrer

Aus verschiedenen Gründen hat das ganze immer wieder geruht, doch vergessen war dieses Thema nie. Dann bin ich auf den amerikanischen Fährtenleser und Survival Experten Tom Brown, Jr. Gestoßen. Mit etwa acht Jahren begann seine ‘Lehre’ bei Stalking Wolf, einem Apachen Scout. Dadurch ist viel Wissen erhalten geblieben. Wenn man Tom Brown im Internet recherchiert, zeigen die Zeitungsartikel und Reportagen, dass er weiß, was er tut und der Erfolg gibt ihm Recht. Sein System des Fährtenlesens, ist effektiv und zugänglich, wenn man sich damit beschäftigt. Dabei geht es weit über die Frage, welches Tier war hier, hinaus.

Dies schürte in mir den Wunsch, einen Kurs nach Tom Brown zu besuchen., Doch die USA sind fern, Einreise und so weiter. Aber im Survival Magazin, bin ich vor wenigen Jahren auf einen Artikel über die Kojote Akademie von Ralf Greiner im Südschwarzwald gestoßen und schon war ich angemeldet und der Kurs hat mich nicht enttäuscht. Im Gegenteil, Ralf ist ein guter Lehrer und vermittelt mit Leidenschaft sein Wissen. Er hat uns so angefixt, dass wir beim Kurs noch bis in die Nacht hinein Fährten interpretiert haben. Ausgeleuchtet von unseren Taschenlampen.

Das Tor öffnet sich

Fundstück am Track

Mit einfachen Übungen und der Beschäftigung mit eben diesem System, ist es möglich viele Details wahr zu nehmen, so dass man auch Bewegungen im Körper des Spurverursachers erkennen kann, die nicht durch das bloße Gehen entstehen. Drehungen des Kopfes zum Beispiel. Aber dann öffnet sich erst die Welt und man beginnt von Micros und Macros zu lesen. Hier lässt sich noch viel mehr heraus lesen, doch so tief stecke ich dann noch nicht in der Materie, um zuverlässig mit diesen Arbeiten und sie erklären zu können.

Für mich hat der Dreck und die ‘Dirt Time’, also die Zeit, die man zum Fährtenlesen verwendet, immer noch eine große Anziehungskraft. Sei es mitten während einer mehr als 40km Tageswanderung einen Dachsbau zu entdecken, den Rucksack abzuwerfen und beinahe in den Bau zu kriechen und Haare zu finden, oder im Winter bei Frost auf dem kalten Laubboden an einer Reh Fährte zu arbeiten, während sich die Rehe knapp vier Meter um mich herum versammeln. Natürlich habe ich die Rehe erst spät bemerkt, was natürlich ein Großartiges Erlebnis war, andererseits, sollte man sich nicht in der Fährte verlieren!

Ein anderes Mal, bin ich in einem Gebiet, dass ich sehr gut kannte auf frische Dachs Spuren gestoßen und ich wusste, dass es dort keinen Dachs gibt. Dementsprechend groß war meine Freude und es hat mich einige Zeit gekostet, der Spur über etwa 300m zu folgen, bis meine Fähigkeiten und der Boden sich trennten. Es ist eine Leidenschaft.

Dachs

Der ‘Track’ geht weiter

In Zukunft werden hier immer wieder Artikel von mir zu diesem Thema veröffentlicht werden, die die Kunst des Fährtenlesens vermitteln und eine ‘vergessene’ Kunst wieder weiter verbreiten sollen. Und ich kann die Zweifler beruhigen. Es ist nicht unmöglich und jeder kann es lernen. Wer es nicht glaubt, sollte sich fragen, warum er oder sie lesen kann, was ich hier schreibe.

In diesem Sinne: Stay on track!