Primitive Jagdwaffen – schnell und einfach!

Keine perfekt hergestellten Jagdwaffen, aber für einen Vormittag ein akzeptables Ergebnis.

Ich habe hier im Blog an einigen Stellen bereits gepredigt:

Wenn du etwas machst, dann mach es direkt richtig.

Bei diesem ‘Feldversuch’ habe ich es bewusst nicht sofort richtig gemacht, sondern wollte für mich wissen, wie schnell bin ich in der Lage, primitive Waffen für die Jagd in einer Survival Situation herzustellen, vorausgesetzt natürlich, dass die Jagd überhaupt Sinn macht. Natürlich kann man sich dann auch nur auf eine dieser Varianten beschränken oder mehr Zeit investieren. Doch um eine Theoretisierung geht es mir gar nicht. Diese wird viel zu oft von allen möglichen Personen über alle möglichen Themen betrieben.

Meine Erkenntnis zu diesem Feldversuch ist simpel und ich möchte sie am Ende dieses Beitrages erläutern. Doch fangen wir simpel an.

Zuerst ein Wort der Warnung!

Alles hier Vorgestellte ist nicht zur Verwendung auf jedwedes Lebewesen, ob Mensch oder Tier ist EGAL, gedacht. Lediglich eine echte Überlebenssituation würde die Verwendung rechtfertigen. Doch Zielwerfen und die Herstellung sind weder Verboten noch problematisch. Wichtig ist nur dafür zu sorgen, dass niemand durch die Übungen zu schaden kommt. Geeignete Orte, Ziele und Sicherheit sind hier besonders wichtig!

Danach die Ethik

Ich interessiere mich für Bushcraft und Survival, stelle hier mein Wissen zur Verfügung. Daher erwarte ich einen entsprechenden Umgang damit. Speziell mit diesem Thema. Waffen sind keine Spielzeuge und daher sollte ihr echter Einsatz auch nur die aller letzte Möglichkeit sein, wenn es tatsächlich um das Überleben geht! Aber es gehört mehr dazu, als sie nur bauen und einsetzen zu können. Was passiert mit möglicherweise verwundetem Wild? Wie erlöst man es schnell und sicher für beide Seiten? Kann ich das gefundene Tier überhaupt damit erlegen? Diese Fragen sind entscheidender und vorher zu klären.

Die Speerschleuder – Atlatl

Die Atlatl ist ein denkbar simples Werkzeug, dass uns in die Lage versetzt, Speere schneller, weiter und kräftiger zu werfen, als wir es von Hand können. Die Speerschleuder ist bereits aus der Altsteinzeit bekannt. Funde belegen laut Wikipedia die Nutzung dieses simplen Geräts bereits vor 18.000 Jahren. Auch heute findet man sie noch bei den Aboriginees in Australien. Diese Fakten bezeugen die Effektivität, wie simple Herstellungsmöglichkeiten. Also sollte doch ein Quick’n’Dirty möglich sein?

Je gründlicher man sich die Ausgangsmaterialien heraus sucht, desto einfacher fällt die Herstellung. Aufgrund meiner Prämisse der Geschwindigkeit, habe ich bewusst auf leicht zu bearbeitende Teile geachtet und möglichst ‘fertige’ Stücke heraus gesucht.

Für die Schleuder habe ich auf einen geeigneten Seitenast geachtet. Dann die Rinde abgeschält, was im April recht einfach und schnell geht. Aus dem Seitenast habe ich die Spitze geschnitzt, in die später die Speere eingehakt werden. Das Problem bei einer Ernte von Frischholz im April ist jedoch auch die Nässe. Also ab in die Sonne zum oberflächlichen trocknen.

Die Speere sind Simpler. Möglichst gerade Ruten werden gesammelt. Im optimal Fall, werden sie am Feuer mittels Hitze gerade gebogen. Dieser Vorgang hilft der Genaugkeit enorm. Doch er setzt Feuer voraus und die nötige Zeit. Beides sind Dinge, auf die ich im Versuch bewusst verzichtet habe.

Die Spitze aus Holz ist bei der Jagd ehrlich gesagt von Nachteil, weil der Speer stecken bleiben wird und der Wundkanal durch ihn verschlossen wird. Dies führt zu einem verzögerten Verenden des Wildes. Eine Spitze, die breiter ist als der Speer, verursacht einen Wundkanal, der sich nicht verschließt und so wird das Wild schneller verenden. Munitionshersteller für Jagdwaffen beschäftigen sich intensiv seit Jahren mit diesem Thema, damit Wild nicht leidet und waidmännisch erlegt werden können.

Die Länge der Spitze ist von Bedeutung, da sie so gut eindringen kann aber gleichzeitig auch nicht zu filigran ist, um nicht schnell zu brechen. Im Feuer gehärtet, holt man noch mehr heraus.

Alles ist fertig. Was nun? Richtig! Werfen!

Wurftechniken gibt es viele. Weites ausholen macht aber eher langsam und ermüdet. Im Gegensatz dazu das kurze Ausholen. Die Haltende Hand sollte nicht hinter der Schulter sein und der Speer auf Augenhöhe. Dies erleichtert das Zielen. Bevor sich der Arm bewegt, macht man einen leichten Ausfallschritt nach vorne und dann folgt der Arm in einer fließenden geradeaus Bewegung und gleichzeitig dreht man den Körper im Becken mit dem Arm mit. Dies darf nicht schräg ausgeführt werden. Parallel zum Körper, gerade auf das Ziel zu. Der Speer wird mit Daumen und Zeigefinger fixiert und von beiden Fingern losgelassen, wenn die Atlatl beschleunigt. So die grobe Theorie. Da es viele Techniken gibt, heißt es üben und ausprobieren.

Das Wurfholz

Das Wurfholz kennen viele auch als Sportgerät: Bomerang. Sportlich soll er zurückkehren, doch als Wurfholz ist das völlig egal. Man kann es umständlich (wie ich in meinem Versuch) aus einem Stück Holz herstellen oder einfache einen dicken, soliden Ast mit leichter Krümmung aus möglichst schwerem und harten Holz nehmen. In unseren Breiten bietet sich Eiche am besten an. Für mein Projekt habe ich zufällig ein Stammstück von einer Linde gefunden und spontan losgelegt. Doch hier habe ich modernes Werkzeug genutzt.

Lässt sich werfen, aber…

Die Bola

Die Bola ist simpel, leicht hergestellt und auch sie wird seit Jahrtausenden als Jagdwaffe eingesetzt. In Südamerika sogar heute noch von den Gauchos (südamerikanische ‘Cowboys’)

Das Prinzip ist wirklich einfach. Drei Seile werden an einem Ende verknotet und am jeweils Anderen wird ein Gewicht befestigt. Geworfen öffnen sich die Bola in drei Stränge, die sich mit enormer Wucht (Wurf- und Rotationsenergie mit Beschleunigungskraft, wenn sie sich) um das Ziel wickeln (beispielsweise die Beine von Hirschartigen). Je nach Gewicht, kann die Bola Knochen brechen. Wenn sie getroffen hat musste es bei den Jägern und Sammlern schnell gehen, um das Tier zu erlösen. Selbst in einer Survival Situation, muss man wissen, was man tut, bevor man diese Waffe einsetzt. Tierleid gilt es zu vermeiden und wiederspricht meiner Ethik!

Um die drei Seile mit einander zu verknoten, habe ich den Achterknoten verwendet. Dabei ist darauf zu achten, dass die Steine wirklich fest sitzen! Einen speziellen Knoten gibt es nicht, da Steine nun einmal individuell geformt sind. Folglich bleibt nur machen. Ebenfalls wichtig ist eine möglichst gleiche Seillänge. Ist alles fest und sicher verknotet ist die Bola fertig.

Zum Werfen ergreift man sie am Knoten, wirbelt sie schnell einmal über dem Kopf herum und wirft sie auf das Ziel. Kreisen lassen sorgt nur für Verwicklungen der Seile. Auch mit den Fingern zwischen die Seile zu greifen ist kontra produktiv.

Der Knoten kommt zwischen Daumen und Zeigefinger, die Bola hängt schlaff herab. Dann nimmt man den Arm hoch, wirbelt sie einmal im Kreis über dem Kopf und wirft. Sind die Seile beispielsweise einen Meter Lang zwischen Knoten und steinen, ergibt sich im Flug ein Kreis von beinahe zwei Metern! Das muss bedacht werden, denn ohne freie Flugbahn, bleibt sie an Hindernissen hängen.

Im Flug rotieren die Steine um den Knoten im Zentrum.

Trifft auch nur einer der Steine ein Ziel, schlagen alle Steine da herum. Dies erhöht im letzten Moment nocheinmal die Geschwindigkeit der Steine beträchtlich!

Das Werfen erlernt man jedoch wie bei der Speerschleuder nur durch üben!

Noch schneller wären wohl nur zwei Seile (oder Schnürsenkel 😉 und zwei Steine.

Fazit

Alle dieser Waffen benötigen Übung. Halbherzig gebaut, verliert die Atlatl viel ihrer Wirksamkeit und bedarf ausreichender Aufmerksamkeit und besonders viel Übung im Werfen. Gerade gebaute Atlatl und Speere sind hier besonders wertvoll. Auch die Spitze, wie ich oben bereits erwähnte, ist von enormer Bedeutung. Dennoch ist die Speerschleuder schnell hergestellt und nur wenig mehr Aufwand hätten sie deutlich effektiver gemacht. Selbst ohne Messer oder Tomahawk und Säge ist sie verhältnismäßig einfach herzustellen. Auch das gerade Biegen am Feuer ist einfacher, als man denkt.

Das Wurfholz war zu viel Aufwand. Das Holz hat sich nicht ordentlich spalten lassen, viel Nacharbeit war nötig und Linde ist sowohl zu weich, als auch zu leicht. So kommt zu wenig Energie im Ziel an. Ein solider Eichenast macht weniger Arbeit, bei mehr Effizienz. Allerdings geht beim Wurfholz das Üben leichter und schneller. Ausserdem ist beim Üben die Umwelt in geringerer Gefahr!

Zu guter Letzt: Die Bola. Schnell, einfach, wenig falsch zu machen. Was jedoch zu bedenken ist, nicht jedes Wild kann damit bejagt werden und selbst wenn es liegt, wird es meist noch leben und sich wehren. Hier ist die Übung im Wurf das einfachste. Die echte Kunst folgt nach dem Wurf. Verwundete Tiere sind niemals zu unterschätzen.

Slipknot

Grundlegendes:

  • Ich bin Linkshänder. Daher können Knoten von Rechtshändern Spiegelverkehrt zu meinen wirken. Bedenkt das bitte bei meinem Tutorial!
  • Damit ein Knoten sicher hält, sollte das lose Ende mindestens den 10-fachen Seildurchmesser überstehen!
  • Geht verantwortungsvoll mit Knoten um! Wenn euch durch die Anwendung von Knoten geschieht, kann ich leider nichts dafür.
  • Knoten helfen nur dann, wenn man weiß, welcher Knoten in welcher Situation wirklich hilft und man sie auch durch üben wirklich beherrscht!
  • Knoten verändern die bruchlast (Reißfestigkeit) eines Seiles! Dabei senken sie diese Belastbarkeit um bis zu 50% !

Der Slipknot ist im Grunde ein einfacher Knoten, der mit einer Schlaufe ausgeführt wird und sich dadurch leicht lösen lässt. Meist verwendet man ihn als Sicherungsknoten, den man leicht lösen möchte. Zum Beispiel an den Tarpspannern. So kann man sie öffnen und um einen Baum legen, was sonst ja nur sehr umständlich möglich ist.

Ein Beispiel für die Anwendung. Ein weiteres findet ihr beim Bogen vom Feuerbohren.
Das Seil liegt gerade.
Eine Schlaufe wird gelegt.
Das oben kreuzende Seilende wird von unten durch die Schlaufe gezogen… Dabei wird es in einer Bucht hindurch gezogen.
Dabei wird es in einer Bucht hindurch gezogen.
Nun heißt es Strammziehen!
Fertig!
Eine andere Perspektive des Slipknot.
Zum Lösen des Slipknot wird am Bucht bildenden Seil ende gezogen, wodurch sich die Schlinge verkleinert.
Die Schlinge ist kaum noch vorhanden.
Und nun ist die Schlinge hindurchgezogen und es verbleibt nur noch die Schlaufe vom Beginn.

Feuer bohren – Bow drill

Sieht gut aus? Trotzdem weiter bohren…

Zu sagen, ich wäre ein Meister- oder auch nur Geselle- dieser Technik, wäre gelogen. Mein Fehler bisher ist schlicht mangelnde Übung. Ich habe es immer mal wieder gemacht und es hat immer mal wieder funktioniert (oder auch nicht!) Zur Zeit probiere ich es intensiv und merze Stück für Stück meine Fehler aus. Warum? Nun, ich will Wissen vermitteln und mich auf meine Fähigkeiten verlassen können. Feuer ist meine Disziplin. Und eben diese Technik hapert. Aber dagegen gibt es glücklicherweise ein probates Mittel: Training! Seit einigen Tagen beschäftige ich mich täglich damit und experimentiere. Das Ergebnis? Ich werde kontinuierlich besser und entdecke immer neue Fehler.

Der Bogen

Es kommt auf die richtige Länge an. Eine gute Länge ist etwa von der Schulter bis zu den Fingerspitzen. Damit kann man in sauberen und langen Zügen den Bogen bewegen, um den Bohrer in Rotation zu versetzen.

Der klassische, starre Bogen. Manch einer mag ihn noch weiter gebogen. Ich habe für mich festgestellt, dass ich mit diesem Bogen nicht so gut klar komme. Eine Alternative folgt.

Ein alternativer Bogen ist beidseitig abgeflacht und etwas biegsamer, wenn auch nicht leicht biegsam. Am einen Ende wird die Bogenkerbe eingeschnitzt und die Schnur mittels Bogenknoten (oder Zimmermanssteg) verknotet. Am anderen Ende schnitzen wir einen Spatel mit Durchbruch. Beide Schnitzarbeiten habe ich bereits beim Try-Stick erklärt. Durch den Durchbruch wird die Schnur gefädelt und mittels Slipknot fixiert. Dadurch ist die Spannung sehr einfach zu kontrollieren. Beim Bohren an sich, kann man mittels Daumen, Zeige- und Mittelfinger die Spannung zusätzlich beeinflussen.

Die verwendete Schnur kann im Grunde jede geeignete sein. Paracord und Schnürsenkel sind mit am besten. Letztere hat man ja auch fast immer im Norfall dabei.

Wichtig bei der Spannung ist, dass sie weder zu fest, noch zu lose ist. Klingt doof? Anders kann man es aber nicht sagen. Zu Lose und nichts passiert. Zu stramm und ständig fliegt der Bohrer weg und die Schnur verschleißt wirklich schnell. Leider gibt es da keinen echten Leitwert und so hilft nur üben und nicht aufgeben.

Der Bohrer

Grundlegend sollte der Bohrer Daumendick sein und ca 30cm lang. Mindestens jedoch von kleinem Finger bis Daumen bei ausgespreizter Hand. Ein Ende schön rund zum Bohren und ein Ende spitzt für das Lager im Wiederlager. Die umlaufende Kerbe war in der Theorie eine gute Idee. In der Praxis allerdings echt mies. Der Bohrer muss aus trockenem aber festem Holz sein. Also Totholz suchen!

Das Wiederlager

Ich habe Totes Holz verwendet. Doch auch Frisches kann man nehmen. Hauptsache, es liegt gut in der Hand und ist eher hart. Es sollten mindestens 3 mal neue Löcher für den Bohrer gemacht werden können. In das Wiederlager gehört ein kleines Loch, welches die Spitze des Bohrers aufnimmt, damit der Bohrer sicher an Ort und stelle gehalten wird. Dieses wird einfach mit der Messerspitze hineingeschnitten.

Das Bohrbrett

Das gute Stück sollte ca 2cm dick sein. Wichtig ist, dass es gut auf dem Boden liegt und nicht wackelt, wenn man es mit einem Fuß fixiert. Ein Loch für den Bohrer wird vorgeschnitten. Dabei ist die Mitte etwa 1,5 fache Bohrerdicke vom Rand entfernt. Dies sorgt für Sicherheit beim Bohren. Denn sonst hat der Bohrer keinen sicheren Halt.

Die Kerbe wird erst nach dem Einlaufen eingeschnitzt! Dazu spannt man den Bohrer in den Bogen, setzt ihn am Brett an und legt das Wiederlager auf. Langsam beginnt man nun mit dem Bohren und lässt alles einlaufen. Ist der Bohrer im Brett eingelaufen, wird die Kerbe eingeschnitzt.

Andere Varianten für Bohrbretter…

  • Das Bohrloch an einer Stirnseite, vereinfacht eine oberflächliche Kerbe, wenn es an Zeit oder geeignetem Messer mangelt.
  • Ein Bohrloch, welches vorgebohrt wird und dann von der Gegenseite durchgebohrt wird. So sammelt sich der Staub im unteren Loch und speichert die Hitze effektiver, als in einer seitlichen Kerbe.
  • Zwei Äste aneinandergeknotet und beidseitig gebohrt. Hier sammelt sich der Staub wieder im unteren Loch.

Die eigentliche Arbeit

  • Den Bohrer in den Bogen einspannen. Dabei gehört er auf die Aussenseite des Bogens und nicht zwischen Sehne und Bogen!
  • Der Bohrer wird mit Bogen in das Bohrbrett eingesetzt und mittels Wiederlager fixiert.
  • Die starke Hand führt den bohrer. In die andere gehört das Wiederlager. Diese Hand wird eingeknickt und der Daumen muss am Schienbein anliegen. So wackelt nichts und kaum Kraft wird benötigt.
  • Anbohren und alles einlaufen lassen!
  • Die Kerbe in das Bohrbrett schnitzen, den Bohrer ggf noch einmal leicht nach schnitzen. Spannung im Bogen kontrollieren.
  • Jetzt muss alles bereit sein! Material fürs Feuer, Zunder in Position! Der Zunder kann z.B. unter dem Bohrbrett sein. Unter die Kerbe und dem Bohrloch ein Blatt oder Brettchen legen, dass den Bohrstaub auffängt.
  • Alles in Position? Dann beginnt das Bohren. Langsam und mit Druck. Die Kerbe fängt an, sich mit Bohrstauf zu füllen. Sie muss voll sein und dann gerne überquellen. Wenn es bereits jetzt qualmt, ignoriert das!
  • Die Kerbe ist voll? Nun gilt es den Druck auf den Bohrer zu erhöhen und dran zubleiben. Lange und schnelle Züge! Auf keinen Fall kurze Züge mit dem Bogen. Lang und gleichmäßig ist besser als kurz. Bohrt nun schnell, lange und mit Kraft.
  • Nach einem Endspurt, nehmt vorsichtig den Bohrer weg und beobachtet den Qualm. Maximal langsam mit der Hand Luft zu fächern. Pusten ist nicht nötig. Bleibt ruhig. Qualmt es nach ca 30 Sekunden immer noch? Herzlichen Glückwunsch.
  • Noch etwas warten! Dann sanft den Bohrstaub aus der Kerbe lösen (mit dem Messer o.ä.) und in den Zunder übertragen.
  • Hier geht es nun weiter!

Der wichtigste Punkt: ÜBEN UND EXPERIMENTIEREN! Folgt keinem Kanon;-)

Try-Stick

Die Idee zum Try-Stick habe ich von Mors Kochanski. Generell kann ich auch seine Videos beim Kanal von Karamat Wilderness Ways empfehlen, so lange ihr Englisch beherrscht. Auch wenn manch einem die Videos lang erscheinen mögen, sie lohnen sich in meinen Augen sehr.

Der Try-Stick (Versuchsstab) dient dem Üben verschiedener Schnitztechniken. Man kann sehr viele oder nur sehr wenige Techniken üben. Welche ihr übt, müsst ihr wissen. In der Folge stelle ich mehrere Techniken vor, die in meinen Augen sinnvoll bzw nützlich sind. Das schöne beim Try-Stick ist die Möglichkeit, auch einfach mal zu hause zu üben. Wobei ihr den fast überall üben könnt,wo man eben legal mit einem Messer schnitzen darf. Da ergibt es sich von selbst, dass der Bahnhof nicht die beste Lokalität ist.

Welches Holz?

Am Anfang empfehle ich weiche und einfach zu bearbeitende Hölzer, wie z.B. Weide. Sie ist schnell und einfach zu finden, gibt gute, gerade Äste und istdabei angenehm weich und einfach zu verarbeiten. Haselnuss bietet sich auch an, ist jedoch härter. Versucht doch einfach mal die Unterschiede von Hölzern durch schnitzen kennen zulernen.

Beim Ernten der Äste, trennt sie sauber mit einer Säge ab, nehmt nur wenige Äste von einem Gehölz (meist gibt es ja genug andere in der Nähe) und achtet drauf niemandem zu schaden!

Für meinen Beitrag habe ich vor etwa einer Woche Äste von einer Kopfweide geerntet und somit auch keinem Baum geschadet.

1. Der Rundkopf

Den Rundkopf benötigen wir vor allem bei Heringen zum Abspannen von Zelten oder wenn wir uns einen Wanderstock herstellen wollen. Eine weitere Verwendung findet er, wenn wir einen Stock als Pfosten in einem Tarp verwenden wollen. Diesen sollte man zwar immer noch polstern, doch je weniger Ecken, desto schonender für das Tarp.

Wichtig ist vor allem eine sichere Arbeitsposition. Sitzend, vornüber gelehnt stütze ich hier meine Ellenbogen auf den Knien ab. Dadurch arbeite ich weit vor meinem Körper und auch wenn das Messer abrutscht, gleitet die Klinge in weitem bogen von mir weg und ich kann mich nicht schneiden.

Zuerst schnitzt man eine Spitze in den Stock. So können wir auch Stöcke trennen.

Aus der Spitze, wird stück für Stück eine Art Halbkugel herausgeschnitzt. Keine Bange, sie muss nicht perfekt sein.

2. Durchmesser verkleinern

Der Sinn, den Durchmesser gleichmäßig zu verändern ist nicht zwingend bei diesem Dünneren Stock zu suchen. Doch die Grundtechniken sind identisch. Für verschiedene Verbindungen oder Techniken ist ein kleinerer Durchmesser an einer beliebigen Stelle jedoch durchaus praktisch. Als Griff bei einem Wanderstab zum Beispiel.

Zuerst wird das Holz eingeschnitten. Hier seht ihr die haltende Hand. Die andere Hand dreht den Stock. Zu keinem Zeitpunkt sind Messer klinge oder Daumen in einer Linie! Sollte ich abrutschen, gleitet mein Daumen an der Klinge vorbei, so dass ich mich nicht verletzen kann.

Zwei rund umlaufende Schnitte markieren unseren später verkleinerten Bereich.

Ausserdem helfen die Schnitte beim Schnitzen.

Fleißig rundherum schnitzen ist angesagt.

Schließlich wird nur noch die Spitze eingesetzt, um kleine Unebenheiten zu entfernen.

Fertig! Ein möglichst gleichmäßiger kleinerer Durchmesser ist geschaffen.

3. Der Topfhaken

Zugegeben, der Name täuscht ein wenig. Zwar dient dieser Haken dem Aufhängen von Töpfen, aber in Verbindung mit einem Rundkopf am einen Ende und einer Spitze am anderen, haben wir einen Hering hergestellt.

Zuerst schneiden wir möglichst tief schräg ein.

Dann schneiden wir ein zweites mal entgegengesetzt ein, so dass sich ein Dreieck bildet.

Dann wird fleißig ausgeschnitzt.

Beim Ausschnitzen müssen wir jedoch beachten, dass die Spitze des Dreieckes stehen bleibt!

Wie gesagt, die Spitze muss stehen bleiben und wird fein ausgearbeitet.

Fertig! So rum gehört der Haken für einen Topf. Wenn wir den Haken für einen Hering schnitzen, natürlich andersherum.

4. Rundnut

Die Rundnut dient dem Verbinden zweier Hölzer. Sie kann auch beim Packrahmen verwendet werden, oder mit dem reduzierten Durchmesser von oben kombiniert werden, oder oder oder.

Die Größe ist egal. Wichtiger ist es, heraus zu finden, wie man mit seinem Messer eine runde Nut schnitzen kann. Versucht es selbst! Wie genau man sie am besten rund bekommt, hängt auch vom verwendeten Messer ab.

5. Schwalbenschwanz

Der Schwalbenschwanz ist eine klassische Holzverbindung. Sie dient dem Verbinden zweier Stücke Holz. Dazu wird eine Nut geschnitzt und schließlich das passende Gegenstück eingepasst. Bilder sagen bekanntlich ja mehr als tausend Worte. Deswegen spare ich mir an dieser Stelle einmal eine detaillierte Beschreibung.

6. 90° Nut

Die 90° Nut findet in erster Linie bei Auslösern für Fallen ihre Verwendung. Allerdings kann sie etwas größer in stärkerem Holz auch als Wiederlager für Sprossen bei einer Leiter dienen.

7. Kasten

Der Kasten dient in erster Linie der Übung. Aber eine flache gerade Fläche oder mehrere an beliebiger Stelle können bei verschiedenen Konstruktionen doch mal nützlich sein. Die Technik, diesen Kasten herzustellen, ähnelt dem verringertem Durchmesser.

8. Die Pfeilnocke

Wozu diess Schnitzwerk dient erklärt sich von selbst! So bekommt man die Nocke in einen Pfeil oder Schafft sich eine Kerbe, um eine Pfeilspitze aus Naturmaterial einzupassen.

Zu erst werden zwei rechtwinklige Nuten gegenüber eingeschnitzt.

Im 90° Winkel zu den Beiden werden zwei kleine Kerben gegenüberliegend eingeschnitzt.

In letztere Kerben Sticht man sachte mit dem Messer ein. Nur nicht sehr Tief.

In die ersten Kerben schneidet man nun in Richtung der kleineren Kerben tief ein.

Schließlich lässt sich das ganze ganz leicht und sauber auseinander brechen.

Fertig ist die Nocke.

9. Bogensehennut

Diese Nut ist ähnlich dem Topfhaken. Nur kleiner, runder und flacher. Wozu sie dient, brauche ich denke ich nicht zu erklären. Die Herstellung ergibt sich von selbst. Wichtig ist nur der richtige Winkel, damit die spätere Bogensehne gut geführt wird und schließlich auch, dass sie wirklich rund und ohne scharfe Kanten geschnitzt wurde. Letzteres ist wichtig, damit die Sehne im Schuss nicht reißt.

10. Der Durchbruch

Eine weitere Holzverbindung. Damit können wir sowohl zwei Hölzer verbinden, wie sie hier zur Übung geschnitzt werden oder aber beispielsweise den Schwalbenschwanz durchstoßen und dann mittels geschnitztem Dübel sichern. Auch hier erklären die Bilder mehr, als ich erklären kann.

Immer schön auf die Klingenführung achten!

11. Der Spatel

Der Spatel kann als Kochutensil, zum entrinden oder für Fallen verwendet werden. Zu schnitzen ist er sehr einfach.

Lange, kraftvolle Schnitte werden vor dem Brustkorb ausgeführt. Die Kraft für den Schnitt kommt hier aus den Schultermuskeln. Wichtig auch hierbei: Die Klinge bewegt sich vom Körper weg.

Zu guter Letzt!

Versucht es selbst, variiert mit der Stockdicke und überlegt euch, wofür ihr was alles einsetzen könnt. Vielleicht sieht euer Try-Stick ja anders aus? Ihr lasst was weg, oder wollt mehr? Macht es.

Viel Spaß und stay on Lynx-Trail(.de)

Feuer durch Glut

Wie wir Glut für ein Feuer erzeugen ist letztlich egal. Sei es durch Feuerbohren, nutzen von transportierter Glut oder durch Stein und Stahl (bzw Stein). Die weitere Verarbeitung ist identisch.

Und um genau dieses Vorgehen soll es in diesem Artikel gehen.

Der erste Zunder

Wie üblich, wenn wir etwas in der Natur machen, machen wir es von Anfang an richtig, damit es auch klappt. Dabei dürfen wir auch nicht vergessen, lieber doppelt so viel zu sammeln bzw herzustellen, wie wir glauben zu benötigen!

Wir benötigen zunächst einmal trockenes und faseriges Material. Laub ist eher ungeeignet. Besser ist trockenes gras, dass wir auf jeder Wiese finden können. Hat es geregnet, sollten wir möglichst schon morgens sammeln und diesen Zunder an unserem Körper unter den Schichten trocknen.

Das Gras nehmen wir in beide Hände und zerfasern es, in dem wir es gegeneinander reiben.

Der Zunder wird gröber

Als nächstes helfen kleine Holzlocken wie man sie von Feather-Sticks kennt. In diesem Fall werden die Locken jedoch nicht am Stock belassen, sondern als Knäuel gesammelt. Auch wenn Feather-Sticks hilfreich sind, nutzen sie uns hierbei weniger, als einzelne Locken in einem Knäuel.

Für die Locken benötigt man ein wirklich scharfes Messer. Man führt es dabei sachte an einer Kante entlang und produziert so möglichst unterschiedlich dicke und große Locken aus Holz. Die benötigte Menge muss man durch Übung und Erfahrung abschätzen lernen. Je feuchter das Material bzw die Witterung, desto mehr benötigen wir.

Hilfsmittel

Mit diesen beiden Zundern ist man bereits auf einem guten Weg. Wenn alles feucht ist oder man noch sicherer sein will, setzt man noch Brandbeschleuniger ein. Das können Kienspan, feine Äste von Nadelbäumen sein oder eben Kirsch- und Birkenrinde. Für die Bestimmung möchte ich die Internetseite Baumkunde empfehlen!

Biken- und Kirschrinde kann lose abgezupft werden. Dann schädigt man auch lebende Bäume nicht. Totholz kann man auch mit einer Klinge sehr gut entrinden und erhält so größere Mengen an Material. Beide Rinden enthalten ätherische Öle, die sowohl nass noch hervorragend brennen, als auch dafür sorgen, dass die Rinde noch intakt ist wenn das innere bereits morsch ist.

Brennholz

Jetzt kommen wir zum wichtigsten an unserem Vorhaben! Wie alles andere müssen wir auch das Holz entsprechend vorbereiten. Liegendes Holz gilt es zu vermeiden. Besser ist stehendes oder hängendes Totholz. Selbst wenn dieses äußerlich feucht ist, so ist der Kern trocken. Also spalten! Auch die Locken gewinnt man in diesem Fall aus dem trockenen Kernholz.

Was wir brauchen sind verschieden starke Holzstücke. Diese werden auch nach Stärke sortiert bereit gelegt. Da Vorbereitung wichtig ist und je nach Situation immer wichtiger wird, gehören die dünnsten Stücke am dichtesten an die Feuerstelle und die Stärksten am weitesten weg. Der Grund dafür ist einfach: Zeit. Durch diese Sortierung können wir zügig auf die Entwicklung des Feuers einwirken und sicher sein, dass es erfolgreich wird. Dennoch ist Übung bedeutend, denn die beste Vorbereitung hilft ohne Übung und Routine nichts. Spätestens unter widrigen Umständen wie Regen oder nasses Holz, wird sich zeigen, warum Übung so wichtig ist.

Lässt sich das Holz nicht hinstellen, kann man es auch spalten, in dem man es hinlegt und dann hinein schlägt. Steckt das Tomahawk (Axt, Beil) bei dünnen Stücken im Hackklotz, vereinfacht das seitliche Drehen des Endes das Spalten.

Die Feuerstelle

Wieder heißt es Vorbereitung! In diesem Fall habe ich eine neue Art von Feuerstelle getestet.

Die dicken Scheite werden V-förmig gestapelt. Die trockenste Seite gehört nach innen und die Öffnung des V wird in den Wind ausgerichtet. So spart man sich auch das Pusten. Vorausgesetzt, dass der Wind nicht zu stark ist. Die Holzspäne liegen bereit und einige dünnere Holzstücke sind auch bereits in Position. Auch das sorgt für ein schnelleres Handeln und gehört fest zu den Vorbereitungen, BEVOR auch nur ein Funke geschlagen wird.

Alles ist bereit!

Wenn alles bereit ist, können wir die Glut erzeugen. Wie das mit Feuerstein und Stahl geht, habe ich ja bereits auch im Beitrag über charred cloth geschrieben.

Haben wir Glut, haben wir Eile. Eile bedeutet jedoch nicht Hektik. Durch Übung und Vorbereitung sind wir jetzt in der Lage richtig zu agieren und das bedeutet Geschwindigkeit.

Die Glut gehört in unser Zundernest. Man legt sie mittig hinein und faltet es dann sanft um die Glut herum und das Anblasen beginnt. Hält man die Glut hoch vor das Gesicht, läuft man nicht Gefahr, das beispielsweise Schweißtropfen nach dem Feuerbohren in die Glut tropfen und alles zunichte machen. Ferner zieht uns dann auch der Qualm nicht ins Gesicht. Sobald Flammen schlagen, wird der zunder umgedreht, damit die Flammen durch das Nest hindurch nach oben steigen und sich die Hitze ausbreitet. Dies geschieht, während man das Zundernest in das V hineinlegt.

Liegt das Zundernest, werden die Späne vor und auf den brennenden Zunder geschoben.

Zaghafte Flämmchen stärken

Beginnt alles zu brennen, gilt es die Flammen sicher zustellen. Hierzu eignen sich Brandbeschleuniger wie die gesammelte Rinde bestens. In verschieden große Stücke gerupft werden sie einfach in die Flammen gelegt, ohne sie jedoch zu ersticken. Dadurch werden die Flammen größer und stärker.

Sind die Flammen sicher, gehört das kleinste Holz in das Feuer.

Das Kleinholz wird schräg an das dicke, V bildende Holz angelehnt, damit es über den Flammen steht. Dabei gilt es, luftig zu stapeln, damit Luft durch die Hölzer dringt und die Flammen mit ihrer Hitze auch in diesem Material Fuß fassen können. Nun heißt es warten.

Das Feuer hat sicher die nächsten Hölzer erfasst und breitet sich aus. Damit sind wir erneut gefragt.

Weiteres Material wird aufgelegt. Dieses Mal wieder etwas größer und schon wieder heißt es warten. Ab diesem Punkt, haben wir bei guter Vorbereitung so gut wie gewonnen und unser Feuer kann kaum noch erlöschen.

Brennt nun auch die nächste Stärke, heißt es abwarten, bis sich das Feuer gleichmäßig verbreitet hat und die letzte Stärke kann aufgelegt werden bzw das Feuer kann genutzt werden. Es bleibt nun nur noch eine Frage offen:

Habt ihr genug Holz für die benötigte Dauer des Feuers?

Charred cloth – verkohlter Stoff

Das Ergebnis ganz oben, Mittel zur Herstellung darunter.

Verkohlter Stoff oder auch charred cloth (im englischen Sprachraum gebräuchlich) ist ein seit Jahrhunterten verwendetes Mittel, um Funken von Feuerstein und Stahl aufzufangen, in Glut zu verwandeln und dann in Zunder zu übertragen. Nachteil dieser Methode des Feuer-Machens ist jedoch, dass das Material (Stoff) gut vorbereitet sein will. Außerdem muss der verkohlte Stoff gut gegen Feuchtigkeit geschützt werden. Gleichzeitig ist Wind jedoch kein Problem, im Gegenteil. Wind hilft uns sogar beim übertragen der Glut in den Zunder, um diesen dann zu entzünden! Zudem ist er ein gutes Mittel, den echten Zunderschwamm zu umgehen, da dieser unter Naturschutz steht und somit eher schwierig zu bekommen ist. Stammholz am Wegesrand ist eine Option, wenn es dort zur Abholung für die holzbearbeitende Industrie bereit liegt und an diesen Stämmen der Pilz wächst oder befallene Bäume im Garten.

Was benötigen wir?

Starten wir mit dem Grundmaterial:

  • gut schließende Blechdose
  • einen soliden Nagel o.ä.
  • Hammer o.ä.
  • Baumwollstoff (oder einen anderen 100% Naturstoff außer Wolle)

Es geht jede beliebige Blechdose, solange sie gut wieder verschließbar ist. Allerdings darf beim verkohlen kein Kunststoff mehr anhaften. Weder Dichtungen, noch Beschichtungen. Die Dosen sollten dazu auch vor den ersten Schritten gut gesäubert werden. Dann können wir beginnen.

Wie bereiten wir die Dose vor?

Der Nagel wird mittig eingeschlagen. Wozu dies dient, verrate ich später!

Wenn das Loch im Deckel ist, werden Deckel und Dose sauber im Feuer ausgebrannt, damit keine Kunststoffreste mehr an der Dose sind. Diese verkleben gerne schon einmal die Dose beim Verkohlen und das öffnen wird schwierig. Ein leichter Schimmer ist am Ende von der Beschichtung ähnlich der Schrift auf verbrannter Zeitung noch vorhanden. Dieser ist nicht mehr schlimm und hinterlässt nur ein wenig Schmutz an den Fingern. Allerdings lässt sich das mit einem Baumwoll Lappen bequem entfernen. Dieser kann hinterher auch mit verkohlt werden. So verschwenden wir nichts.

Beim Herausholen der Dose(n) daran denken, dass sie heiß sind! Deswegen gehören die guten Stücke auch auf eine Feuerfeste Unterlage und sollen dort auskühlen. Praktischer Weise geht dies bei dem dünnen Stahlblech sehr schnell und schon können wir weiter arbeiten.

Das Verkohlen

Zu erst wird nun der Baumwollstoff in kleine mehr oder wenig quadratische Stücke geschnitten, die sich in die Dose legen lassen. Das können alte Kleidungsstücke wie z.B. Jeans oder T-Shirts sein. Wichtig ist nur 100% natürliche Pflanzenfaser. Dünne Stoffe nehmen die Funken etwas besser an, als dicke Stoffe wie Jeans. Dafür glühen sie etwas länger. Probiert einfach damit herum und sammelt eigene Erfahrungen, um gute Ergebnisse zu erzielen.

Ist die Dose dicht befüllt, wird der Deckel geschlossen…

… und die Dose in eine heiße Stelle des Feuers gelegt. Nach einiger zeit tritt Rauch aus. Dies ist ein gutes Zeichen. Es kommt jedoch auch vor, dass:

… sich die Rauchgase entzünden. Dies ist völlig normal und in Ordnung. Es dauert seine Zeit. Leider gibt es hier keine sichere Zeit, die ich nennen könnte. Es ist jedoch wichtig, dass der Stoff ausreichend lange in Dose und Feuer verkohlen kann. Ein guter Indikator ist der Rauch bzw die kleine Flamme aus dem Loch. So lange diese vorhanden sind, muss die Dose im Feuer verbleiben. Da es vorkommt, dass Rauch zeitweilig pausiert, heißt es auch nach dem Ende des Rauches noch einige Minuten zu warten. Kommt dann kein Rauch mehr, ist der Stoff fertig verkohlt.

Aber die Dose darf unter keinen Umständen sofort geöffnet werden. Weiterhin muss das Loch einige Zeit verschlossen werden.

Ich drehe die Dose dazu um oder lege etwas kleines, flaches wie z.B. eine Münze oder flachen Stein darauf. Das Auskühlen geht recht schnell. Aber leider kann zu frühes Öffnen dazu führen, dass der Stoff wieder zu glühen oder brennen anfängt, wodurch die Arbeit zu nichte wird.

Als Trick und weil ich Outdoors an möglichst Energie effizientem Vorgehen interessiert bin (was ja auch in einer Überlebenssituation hilft), mache ich den Stoff beim Kochen. Alles Vorbereiten und sobald mein Essen ins Feuer kommt, werfe ich die Dose in die Flammen hinzu. Ist das essen fertig, ist auch meine Dose fertig. Nun entferne ich beides aus den Flammen und die Dose wird während des Essens zum Auskühlen gelagert. Dann aufräumen und schließlich wenn alles fertig ist, ist auch die Dose fertig und wird wieder eingepackt. Das Schöne bei der Dose ist, dass sie auch gut zum Transport bestens geeignet ist.

Der besondere Moment: Ist das Werk gelungen oder nicht?
So soll es aussehen: gleichmäßig verkohlter Stoff. Aber das Volumen ist geschwunden.
Test: Man entnimmt ein Läppchen und versucht es auseinander zu zupfen. Geht es leicht, ohne zu zerfallen, wenn man es festhält, ist der Zustand optimal.

Wie geht es nun weiter?

Der Rest ist nun nur noch Übung. Feuerstahl und -stein wollen geübt werden, aber es ist keine Herausforderung.

Ein verkohltes Läppchen unter den Stein halten, dass es heraussteht. (Je schärfer die Kante des Steines, desto leichter entstehen funken)
Nun wird der Stahl scharf über die Kante des Steines geschlagen, so dass Funken auf das Läppchen geworfen werden. Der Winkel benötigt ein wenig Übung und jeder macht da seine eigenen Erfahrungen.
Ein winziger funke reicht aus. Beginnt es zu glühen reicht ganz sachtes Blasen, um die Glut anzufachen.

Gibt es Alternativen zum Stoff?

Ja und nein. Dazu habe ich Experimente mit verschiedenen Materialien durchgeführt. Nicht alle taugten, waren brauchbar oder leicht zu handhaben. Aber grundsätzlich war es dennoch aufschlussreich.

Die Materialien zum Test: Bastgewebe (Linde), Gras, Laub und Moos)

Gras

Das Ergebnis sah zunächst gut aus. Dann erwies sich jedoch das Handling als überaus schwierig. Das Gras zerbröselt sofort und so blieb mir nur noch, zu versuchen die Funken in die Dose zu schlagen. Einige wenige flogen wirkungslos hinein und so versuchte ich es auf dem Stamm. Als auch dies erfolglos war, kam der gute Auermetall-Stab zum Einsatz. Tatsächlich brachten nun endlich diese Funken ein wenig Glut hervor. Doch noch bevor ich sachte pusten konnte, waren sie wieder verloschen.

Moos

Im Grunde verhielt sich Moos genau so wie Gras. Handling nicht gut, nimmt keine Funken an, Auermetall versagt ebenfalls. Folglich ist auch Moos ungeeignet.

Laub

Laub ist offenbar noch ungeeigneter als Moos oder Gras. Es wirkt im ersten Moment effekiv und brauch bar. Doch es zerfällt bei leichter Berührung sofort und damit ist das Handling noch ungünstiger, als bei den ersten beiden Versuchen. Hat man dieses Problem gelöst, nimmt das Laub jedoch auch keine Funken an. Weder vom Stein, noch vom Auermetall. Schade!

Lindenbast

Lindenbast will erst einmal gewonnen werden. Dazu wird ein Linden Ast entrindet und das Faserige Material zwischen Rinde und Holz gewonnen. Dieses wird dann mit den Fingern noch weiter zerfasert und in die Dose gesteckt. Auch wenn das Handling nicht so einfach ist, wie die Läppchen, geht es mit ein wenig tricksen doch sehr einfach, den verkohlten Bast zu entzünden.

Mein Fazit

Auch wenn ich diese Methode liebe, um mein Feuer zu entfachen, ist sie dennoch keine wirklich gute Technik in einer Survival Situation. Sie erfordert spezielles Material und Vorbereitung. Da ist unser Auermetall wesentlich vielseitiger und effektiver. Alleine vom Volumen her. Aber dennoch mag ich diese Technik einfach und es macht mir Spaß, damit feuer zu entfachen. Alleine schon deshalb, wird bei mir in Zukunft immer eine zweite Dose dabei sein, um weitere Materialien zu testen, wenn ich die Gelegenheit habe. Erfahrung und Routine, bekommt man nur durch üben und testen!

In diesem Sinne,

Stay on (Lynx-) Trail!

“Feuerzeug”

In diesem Beitrag möchte ich einmal Zug für’s Feuer besprechen. Oder: Womit können wir ein Feuer draußen entzünden.

Direkte Flammenerzeuger

Direkte Flammenerzeuger sind jene Geräte, die sofort eine Flamme entzünden. Darunter Fallen Feuerzeuge und Streichhölzer.

Feuerzeuge werden entweder mit Benzin oder Gas betrieben. Sie sind sehr unempfindlich und geben uns eine langanhaltende Flamme. Die Nachteile von Feuerzeugen sind recht simpel. Die meisten sind windanfällig. Die, die nicht windanfällig sind, werden elektronisch gezündet, was uns viel Raum für Gas nimmt. Oder es sind die klassischen Benzinfeuerzeuge. Letztere halte ich nicht für empfehlenswert, weil sich das Benzin verflüchtigt. So kann ich die Feuerzeuge nicht lange lagern. Also bleiben uns nur noch die Gasfeuerzeuge mit Reiber. Sie schlagen Funken mittels Auermetall. Das gleiche Metall, aus dem unsere tollen Funkenstäbe sind. Sind sie leer und enthalten kein Gas mehr, so haben wir immer noch Funken! Die Feuerzeuge müssen nur gegen unbeabsichtigtes Gas ausströmen gesichert sein und dann halten sie ewig. Achtet nur auf hochwertige Feuerzeuge, denn im laufe langer Zeit (Jahre) können günstigere Gas durch den Kunststoff verlieren. Bei einem EDC wäre dies schon blöd. Endlich nach all den Jahren des Herumtragen kann man es endlich gebrauchen und dann ist das Feuerzeug leer.

Streichhölzer sind da schon besser zu lagern. Sie sind nur kürzer in der Flamme und wenn sie erlöschen kann man sie nicht noch einmal anmachen. Andererseits lassen sie sich, wenn man es richtig macht, ewig lagern und auch wasserdicht machen. Sei es durch Verpackung oder durch imprägnieren mit Wachs. Dann gibt es noch verschiedene Varianten. Mit langem Schwefelkopf bei viel Wind, oder der Fähigkeit, an jeder rauen Oberfläche zünden zu können etc. Ein paar sind als Letzte Chance sicher nicht verkehrt im EDC. Aber sie müssen entsprechend vorbereitet oder Verpackt sein.

Das ewige Streichholz ist ein Zwitter. In einem dichten Container aus Edelstahl befindet sich Watte. Ein Edelstahl Stab ist eingeschraubt und kann entnommen werden. In dem Container ist Benzin. An dem Stab ist ein Auermetall und eine Lunte. In dem Container saugt sich die Lunte voll. Schraubt man den Stab heraus, kann man mittels des daran befestigten Auermetalls die Lunte entzünden und das Benzin verbrennt über einen längeren Zeitraum. Hat man sein Feuer entzündet, Lunte ausblasen und den Stab zurück in den Container, wo er sich wieder mit neuem Benzin vollsaugt. Durch Dichtungen und den Schraubverschluss, kann kein Benzin entweichen und das ewige Feuerzeug hält wirklich ewig. Wenn es leer ist, hat man immer noch ein Auermetall und die Lunte die sich zum glühen bringen lässt. Damit lässt sich auch noch ein Feuer entzünden.

Meine Feuertasche

Ja, sie wurde auch mehrfach geändert. Aber nicht nur von mir!


Je nach Tour, nehme ich gerne meine Tasche mit. Sie ist ein altes selbst genähtes Schmuckstück, dass ich mal geschenkt bekommen habe. Sie dürfte sogar älter sein, als ich. Aber ich halte sie genau deswegen in Ehren! Andererseits ist sie auch zu groß für lange Touren und ich nehme nur Teile mit. Aber in ihr habe ich mein Feuer Zeugs zusammen.

Der Inhalt… (ganz links ist ein Auermetallstab mit Hirschgeweih als Griff)
Klassiker!

In einer kleinen Ledertasche führe ich eine Dose, Feuerstein und den Striker.

Die Dose enthält verkohlten (Baumwoll-)Stoff. Wenige Funken bringen diesen Vorbereiteten Stoff zum Glühen und aus Glut wird Feuer. Gleichzeitig dient die Dose dazu, weiteren Stoff zu verkohlen.

Charred Cloth oder verkohlter Stoff

Die Herstellung ist sehr simpel! Reine Baumwolle, oder anderer Stoff aus 100% Naturfaser wird in kleine Stücke geschnitten. Die Dose muss aus Metall sein und vorher mittels ordentlichem ausbrennen von jeglichem Kunststoff und jeder Beschichtung befreit werden. Dann wird ein Loch mit einem kleinen Nagel in den Deckel geschlagen.

Ist die Dose vorbereitet, wird sie mit den Stoffstücken vollgestopft und Verschlossen. Nun legt man sie mit dem Loch nach oben in das Feuer. Nach einiger Zeit steigt rauch auf. Das ist gut. Nach dem der Rauch verschwunden ist, empfehle ich noch einen Moment zu warten, ehe man sie aus dem Feuer nimmt. Ist sie aus dem Feuer entnommen, muss das Loch abgedeckt werden, so das kein Sauerstoff eintreten kann. Ich drehe sie dazu schlicht um. Nun heißt es abwarten und abkühlen. Wird die Dose zu früh aus dem Feuer genommen, nimmt der Stoff die Funken nicht an. Wird sie zu früh geöffnet, entzündet sich der Stoff wieder und verglüht. Lasst Euch also Zeit! Für die Herstellung plane ich noch einen eigenen Beitrag, bei welchem ich auch verschiedene Materialien zum verkohlen sammeln und probieren möchte.

Eine kleine Kiste voll mit Bushcrafters Gold: Kienspan!

Kienspan ist der Begriff für Kiefernholz, welches voll mit Harz ist. Das geht aber auch mit Fichte, Tanne, Pinie, Douglasie etc. Für Kienspan folgt ein eigener Artikel!

In Baumwolltuch eingeschlagene Birkenrinde. Doppelter Nutzen!
Baumwolltücher und Paracord

Ich denke, das Baumwolltuch ist selbsterklärend. Die Paracord dient der Herstellung von Feuerbohr Sets

Das kleine Feuerzeug

Im kleinen Lederbeutel verbirgt sich noch mal ein kleines Set. Den Beutel stopfe ich dann schon in meinen Rucksack bei jeder Tour!

Verschlossen wird er mit einem Stück Paracord. Lang genug, um auch eine Bogensehne für den Feuerbohrer zu geben.

Verschiedene Hilfsmittel

Baumwollstoff zum verkohlen, Tampons als Zunder, kleine Feuersteine und ein dickes, saftiges Stück Kienspan. Mein Trick bei diesem Set ist, dass ich den Klingenrücken meines Moras mit den Feuersteinen verwende. So spare ich mir den Schläger!

Nochmal etwas Stoff und Reste eines Tampons. Man muss ja nicht mehr nehmen, als nötig!

Die Dose ist selbst erklärend. Nur eben kleiner als in der großen Tasche. Die Schnur ist gewachst. Wenn ich mal eine art kleine Kerze benötigt, kann ich sie entzünden (auch wenn es mit diesem Kit etwas umständlich ist) und die Flamme übertragen.

Brandbeschleuniger…

In einem Lederbeutel (wieder mit Wachsschnur) bewahre ich dann Birken und Kirschrinde auf.

Wasserfilter 2 – Marke Eigenbau

Was wir benötigen

  • Kies (kleinere Steine, aus einem Bach- oder Flußbett etc.)
  • Sand (es geht beinahe jeder mineralische, feine Boden. Wichtig ist, dass er nicht zum verkleben neigt, wie z.B. Lehm)
  • Fasermaterial (trocken oder frisch, Farn, Gras, Stoff etc)
  • Holzkohle
  • Ein Gefäß (z.B. PET – Flasche, in Holz Stamm gebrannt, oder oder oder)

Vorbereitung des Gefäßes

Die Hände wurden freundlicherweise von meiner Freundin zur Verfügung gestellt, damit ich fotografieren konnte.

Der Boden wird abgetrennt. Dadurch entsteht auch eine Schöpfkelle oder ein Trinkgefäß etc.
Etwa 2 cm unter dem Schnittrand, werden zwei gegenüberliegende Löcher in das Gefäß gestochen
Alles ist vorbereitet. Okay, ein Foto habe ich vergessen zu machen. ein kleines Loch für das Wasser muss noch in den Deckel gebohrt werden.

Die Füllung

Fasermaterial wird als unterste Lage feste in die Flasche gestopft. Keine Bange, zu fest geht nicht!

Die letzte Schicht, nämlich das Fasermaterial wird zu erst hinein gestopft. Diese Schicht dient nur dem herausfiltern feiner Schwebpartikel und verhindert dass die Kohle das Wasser zu schnell herauslässt.

Die Kohle ist nun grob zerstoßen, sollte jedoch von kleinen Partikeln befreit werden! Diese ververfäben das Wasser sehr lange. Also größere Teile heraus sammeln, Staub fortpusten.

Die Kohle ist die Vorletzte Schicht. Es ist sehr wichtig, dass die feineren Partikel entfernt werden. Z.B. durch ausblasen. Die Kohle können wir aus unserem feuer Gewinnen. Große stücke werden zerstoßen. Ich empfehle zwischen 5 und 20mm Größe. Alles darüber wird zerstoßen, alles darunter entfernt. In der Tendenz, sollten die kleineren Stücke überwiegen. Dadurch hat die Kohle im Filter eine größere Oberfläche und kann Stoffe besser binden. Da es sich hier jedoch nicht um Aktivkohle handelt, ist diese Kohle lediglich ein behelfsmäßiger Ersatz und KEINES FALLS als gleichwertig anzusehen!

Kohle rein stopfen und direkt eine weitere Schicht Fasermaterial als Trennschicht! Beides ordentlich feste stopfen. Zu feste geht nicht!

Der Sand fungiert nur als ein etwas feinerer Grobfilter. Was durch die Steine kommt, soll im Sand hängen bleiben.

Sand und Fasermaterial hinterher! Und wieder: Feste stopfen!

Als letzte Schicht und gröbster Filter kommt Kies in die Flasche. Hier werden nur grobe Teile Ausgefiltert und der Kies ist leicht zu reinigen. Wie einen Kaffeefilter kann man auch noch ein Tuch hinein legen. Damit werden auch nochmal grobe Teile ausgefiltert.

Zu guter letzt: Kies! Der wird mal nicht gestopft. Dann noch nach oben platz lassen, damit man Wasser einfüllen kann.

So weit, so gut. Doch das ist nicht alles! Das Fasermaterial dient als Trennschicht und die unterste Lage noch als letzter Feinfilter. Je sauberer Kies und Kohle sind – hier haben feine Stäube und Sandkorngroße Stücke NICHTS verloren- desto sauberer wird später das Wasser.

Der Probelauf

Links: gekauftes Trinkwasser, welches NUR zum Vergleich zwischen Schmutz und gefiltertem Wasser dient.
Mitte: Gefiltertes Wasser
Rechts: Das Ausgangswasser…

Fazit

Bei meinem Bau war ich bei der Kohle ein wenig unsauber und diese Partikel sah man hinterher eindeutig im gefilterten Wasser. Aber: Kohle schadet wenigstens nicht 😉 Dennoch: selbst mit diesem nicht 100% sauberen Wasser, lässt sich besser arbeiten, als mit völlig unsauberem. Dennoch ist die Auswahl des Verwendeten Wassers enorm wichtig. Nach diesem Filter ist immer noch zu beachten, dass es noch desinfiziert werden muss, bevor es genießbar ist. Chemikalien sind immer noch bedenklich.

Ein Wort zur Warnung: Dieses Wasser ist immer noch bedenklich und nicht sofort genießbar. Es muss gegen biologische Schadorganismen immer noch desinfiziert werden. Entweder durch abkochen, UV-Licht oder chemische Reinigungsmittel!

Dieser Filter ist nur und ausschließlich als Möglichkeit zur Verbesserung der Sauberkeit von Oberflächenwasser zu betrachten. Nicht mehr und nicht weniger.

ABER ich kann mit diesem Filter aufbauen und immer saubereres Wasser erzeugen, womit ich meinen Kies besser reinigen kann, die Kohle auswaschen, lose Teile entfernen, alles abkochen und so stück für Stück bessere Rohmaterialien für meinen Filter herstellen, bis ich schließlich am Optimum für diese Umstände angekommen bin! Jedoch heißt es auch mit einem immer besser werdenden Filter immer noch Desinfizieren!

Wasserfilter

Das möchte nun niemand ‘genießen’

Wasserfilter sind ein schier unüberschaubares Gebiet geworden. Von kleinen Filtern bis zu Filter für große Gruppen oder gar in Katastrophen Gebieten. Es erfordert einige Zeit, sich in dieses Thema einzuarbeiten. Stück für Stück möchte ich auch hier immer mal wieder Details zu diesem Thema vorstellen. Denn Wunderwerke sind sie alle nicht. Jeder hat seine Vor- und Nachteile. Bedenkenlos einsetzbar ist kaum eines der mobilen Geräte. Es gibt entsprechende Filterstationen beim Katastrophenschutz, doch diese sind LKW Anhänger groß und werden von Fachkräften bedient. Einfach blind auf einen Wasserfilter zu vertrauen, ist nicht empfehlenswert und kann in Infektionen enden.

*Aufgrund der vielfältigen Chemikalien und Ursachen, kann hier keine sichere Auskunft gegeben werden.
** Mittel wirken gegen lebende Organismen, wie z.B. Protozoen, Bakterien und Viren. Nicht jedoch gegen die Verschmutzung.
*** Starke Verschmutzung könnte ggf. die Wirkung der Mittel einschränken und sie sind hier unsicher.

Angaben von verschiedenen Herstellern zusammengetragen.

Die Tabelle soll einen Überblick über die Vor- Und Nachteile verschiedener Systeme zeigen. Daraus muss sich jeder sein persönliches System heraussuchen.

Große Auswahl, doch was nehmen?

Es gibt keine Eier legende Wollmilchsau! Wie die Tabelle oben aufzeigt, gibt es sehr viele Gefahren und Verunreinigungen im Wasser. Das führt zu simplen Tatsachen:

  1. Grobe Verschmutzungen, wie Partikel und Dreck müssen entfernt werden
  2. Feinere Partikel, Schwebeteilchen müssen entfernt werden
  3. Protozoen und Bakterien müssen entfernt bzw. unschädlich gemacht werden
  4. Viren müssen entfernt oder unschädlich gemacht werden
  5. Chemikalien müssen entfernt werden.

Wie bereits erwähnt, sorgen wir durch eine gute Auswahl des Wassers bereits für bessere Qualität und eine grundlegende Sicherheit, doch endgültige Gewissheit geben uns nur wenige Dinge.

Endgültige Sicherheit erhalten wir nur durch Kenntnis von den Gefahren und wie man sie ausschließen oder ausmerzen kann. Fangen wir mal hinten an.

Chemikalien

Hier sind die Verschmutzungen gut sichtbar. Später im Fluss nicht mehr!

Chemikalien sind das schlimmste, wenn es um das Ausfiltern geht. Oft geruchsneutral und unsichtbar, schleichen sie sich in unser Wasser, ohne das wir es merken. Hier schützt uns zunächst wirklich gute Auswahl des Wassers. Herausfiltern lassen sich Chemikalien jedoch auch. Wie die Tabelle oben zeigt, hilft dort jedoch nur Aktivkohle. Dabei handelt es sich um gereinigte und aufgearbeitete Kohle. Diese hat die Eigenschaft, gewisse Stoffe zu binden. Der Nachteil bei Aktivkohle ist jedoch, dass sie irgendwann voll ist und dadurch wirkungslos wird. Bei brackigem Wasser führt Aktivkohle auch zu deutlicher Geschmacks und Geruchsverbesserung. Bei solcher Art belastetem Wasser, merkt man der Aktivkohle an, wenn sie ausgetauscht werden muss. Dies äußert sich in Geruch und Geschmack. Bei Chemikalien ist dies meist nicht der Fall. Somit kann ein defekter oder zugesetzter Aktivkohlefilter möglicherweise nicht auffallen. Hier hilft nur auf Nummer sicher gehen und regelmäßig austauschen!

Schadorganismen

Viren, Protozoen und Bakterien sind mechanisch ausfilterbar. Doch Viren sind schon wegen ihrer geringen Größe ein großes Problem. Auch hier, kann jeder Filter Versagen und wir bemerken es nicht. Was hier möglich ist, findet man zuverlässig bei den Herstellerangaben.

Die Sicherheit bekommen wir jedoch durch verschiedene Techniken und Mittel hin. In klarem Wasser ohne Schwebeteilchen, helfen UV-Geräte sehr zuverlässig. Sie haben den großen Vorteil, schnell zu wirken (meist in wenigen Minuten) und den Geschmack nicht zu verändern. Ihre Zuverlässigkeit besteht in der aggressiven Wirkung von UV-Strahlen im Wasser. Dazu steckt man eine kleine Lampe in das Wasser und aktiviert sie. Nach meist 90 Sekunden, geht die Lampe aus und das Wasser ist genießbar. Durch das Leuchten der Lampe, ist auch gewährleistet, zu erkennen, ob sie noch funktioniert. Diese Geräte passen in die Hosentasche und benötigen Batterien. Vielleicht ihr einziger Nachteil.

Chemische Mittel, wie z.B. Chlor oder Silberionen können den Geschmack verändern, wirken aber ebenso zuverlässig, wie UV-Strahlung. Sie müssen jedoch richtig Dosiert werden und eine Wartezeit muss eingehalten werden, damit sie ihre Wirkung auch wirklich entfalten. Das Abschätzen dieser zeit kann schon mal schwierig werden. Aber man kann auch sehr großzügig bemessen und vorsorgen.

Der Klassiker ist jedoch das Abkochen. Sprudelnd kochendes Wasser tötet zuverlässig ab. Dabei ist jedoch zu beachten, dass das Wasser mindestens 3 Minuten sprudelnd kochen muss. Je niedriger der Luftdruck ist, desto früher beginnt es zu sprudeln und der eigentliche Siedepunkt von Wasser ( nämlich 100°C) ist noch nicht erreicht. Dementsprechend muss in höheren Lagen die Kochzeit verlängert werden. Als Faustregel 3 Minuten auf Meereshöhe und je 1 Minute für je 150 Meter über dem Meeresspiegel.

Es gibt leider jedoch einige wenige echte Überlebenskünstler unter den Schadorganismen, die sogar diese Prozeduren überstehen können. Wobei ehrlicher Weise, das Risiko äußerst gering ist, diese Organismen zu erwischen. Ich möchte dies hier nur der Vollständigkeit halber nennen.

Das Grobe: Die Partikel

Partikel sind wohl das angenehmste, um von uns entfernt zu werden. Das können Sedimente vom Gestein oder organische Teile sein. Wirklich grobe Verschmutzung können wir sogar mit unserer Kleidung heraus filtern. Und je kleiner diese Partikel werden, desto feiner muss eben unser Filter sein. Dies stellt jedoch gar kein Problem dar. Jeder noch so billige Filter kann das! Was jedoch nicht vergessen werden darf, dass es auch noch andere, gefährlichere Dinge im Wasser gibt!

Welches System nehmen (ein Beispiel)?

Im Folgenden möchte ich meine Gedanken zu einem System für die Wasseraufbereitung vorstellen. Wichtig ist jedoch, dass ihr bedenkt, das es lediglich meine Präferenzen wiederspiegelt und jeder andere Prämissen hat. So kann ein einfacher Lifestraw völlig ausreichend sein, während der Trekker in Asien einen aufwändigen Pumpfilter bevorzugt.

Ich möchte ein System, dass

  • wenig Pflege bedarf
  • keine empfindlichen Teile hat
  • Technisch einfach ist
  • keine Ersatzteile benötigt

Damit sind sämtliche Pumpsystemefür mich persönlich raus. Sie sind voluminös, benötigen Wartung und Pflege, sowie Ersatzteile. Darüber hinaus weisen die meisten dieser Filter einen Keramikfilter auf. Sollte dieser Beschädigt sein, kann es sich um sogenannte Haarrisse handeln. Mit bloßem Auge nicht zu erkennen, können dennoch Protozoen, Bakterien und Viren hindurchschlüpfen und die Probleme sind da. Nutze ich einen solchen Filter, möchte ich natürlich nicht noch zusätzlich desinfizieren… Das führt zu keiner Rückfallebene.

Alles was ich auf Tour benötige

Somit bleiben mir Schwerkraftfilter. Ein Gefäß wird mit Wasser befüllt, der Filter aufgeschraubt, das ganze verkehrt herum aufgehängt und nun heißt es warten. Da bieten sich Pausen ohnehin an. Als ich mich für ein System entschieden habe, gab es nur 0,2 Micron beim Sawyer Mini. Für mich kein Problem. Katadyn Micropur in flüssig dabei und egal, was durch meinen Filter flutscht, Chlor tötet es. Den Chlorgeschmack kann man ertragen oder übertünchen. Der Nachteil des Sawyer ist, dass er das Wasser nur bis 0,2 Micron sicher Filtert. Das bedeutet aber auch, dass nur Viren es durch den Filter schaffen. Bei sachgemäßer Verwendung und darauf Achten, dass er nicht einfriert, kann er eigentlich nicht kaputt gehen. Diesen Filter kann ich mir einfach unter die Jacken stecken und er friert nicht ein. Einen Pumpfilter, bekomme ich da kaum unter.

Eigentlich nicht kaputt gehen? Nun, er funktioniert simpel. Durch dünne und poröse Kunstfaserschläuche wird wird das Wasser geleitet und durch die Poren fließt das Wasser, während Partikel über 0,2 Micron abgefangen werden. Mittels Spülen mit sauberem Wasser in umgekehrter Richtung, werden diese Partikel später ausgepresst und der Filter ist wieder sauber. Sein Innenleben kann jedoch auch reißen. Im Gegensatz zu Partikeln, sind diese Wesen für unser Auge unsichtbar. Bleibt das Wasser nach dem Filtern optisch verschmutzt, so muss der Filter ersetzt werden. Da ich bei diesem Filter jedoch keine Viren entfernen kann, muss ich den Schritt gehen und diese bekämpfen. Alle dazu verwendeten Mittel lösen jedoch auch mein Problem mit den größeren Schadorganismen, wodurch ich sicheres Wasser erhalte.

Achte ich noch dazu auf meine Wasserquelle, so laufe ich damit hervorragend. Eine alternative zum Micropur ist auch noch das abkochen. UV Geräte finde ich auch nicht schlecht, aber das bedeutet weitere Elektronische Geräte mit zuführen und weitere Ersatzbatterien.

Wasser

Eines der großen Kernelemente für unser Überleben ist Wasser. Warum ist das so? Natürlich ist den meisten die Faustregel bekannt, dass der menschliche Körper zu mehr als 70% aus Wasser besteht. Das wir Menschen durch unsere Schweißdrüsen Wasser verlieren ist wohl auch jedem bekannt.

Doch das sind nicht unsere einzigen ‚undichten Stellen‘ durch welche wir Wasser verlieren. Betrachten wir die Regel der 3 (3 Sekunden unachtsam, 3 Minuten ohne Luft, 3 Stunden ohne Isolation, 3 Tage ohne Wasser, 3 Wochen ohne Nahrung…), so stellen wir fest, das wir durch Dehydrierung, also Wasserverlust, schneller sterben, als ohne essen. Alleine deswegen stellt Wasser eine unserer höheren Prioritäten dar. Als höchste Priorität gilt das, was als erstes tötet.

Welche Stellen dehydrieren uns denn nun?

Die Antwort ist denkbar einfach: Fast alles! Beinahe jede noch so kleine Funktion unseres Körpers benötigt Wasser. Selbst beim atmen, verdunsten wir Wasser in unseren Lungen. Dieser Effekt ist bei Kälte gut zu beobachten. Die kleinen Wolken vor unseren Mündern und Nasen. Dazu Schwitzen, Essen, Verdauen und sogar unser Stuhlgang benötigt Wasser. Eigentlich geht unser Organismus sogar sehr verschwenderisch mit diesem Rohstoff um. Benötigen wir meist nur etwa 2 bis 3 Liter pro Tag, kann diese Menge sehr schnell das Doppelte bis gar das Dreifache erreichen. Je nach Temperatur und Tätigkeit.

Was können wir tun?

Prinzipiell müssen wir uns (zumindest) derzeit in den nördlichen Regionen der Welt keine echten Gedanken um das Verdursten machen. Dennoch ist Vorsorge besser, als Nachsorge und so sollten wir uns in einer Überlebenssituation frühest möglich Gedanken um unseren Wasserhaushalt machen. Der erste Schritt ist hier denkbar einfach: Möglichst wenig Wasser aus unserem Körper Verschwenden. Dazu sollten wir zunächst das Schwitzen vermeiden. Folglich heißt es geeignete Kleidung wählen und die Kleidung, die wir dabei haben möglichst effektiv wählen. In Bewegung lieber dünner, dafür dicker, wenn wir ruhen. Auch durch das Sprechen verlieren wir viel Wasser als Verdunstungsfeuchte aus unseren Lungen. Da wir Atmen müssen, können wir hier nicht sparen. Doch das reden beispielsweise können wir auf ein Minimum beschränken. Auch unsere Fortbewegung können wir ebenso wie Arbeiten auf ein notwendiges Minimum beschränken. Oder aber es in kühlere Tageszeiten verlegen, so lange kein dringender Grund dafür spricht.

Bin ich dehydriert?

Die Frage lässt sich leicht beantworten! Zunächst einmal, verfärbt sich früh der Urin sehr dunkel und beginnt sehr unangenehm zu riechen oder zu stinken. Dann sind weitere folgen Kopfschmerzen und auch Schwindel kann später einsetzen. Der Stuhlgang wird zunehmend härter und in der Folge auch unangenehmer. Ein Schnelltest kann sein, dass man mit zwei Fingern ein Stück Haut greift und diese etwa 0,5 bis 1cm anhebt. Zieht sich die Falte nicht schnell zurück, sondern nur langsam, ist dies ein gutes Zeichen für Wassermangel im Körper. Bereits 1% Wassermangel kann zu Leistungseinbußen führen. Das sing gerade einmal 800g (also 800ml Wasser) bei einer 80kg schweren Person.

Wasser – aber woher?

Im Survival Bereich gibt es viele Techniken der Wassergewinnung. Im Laufe der Zeit, werde ich hier noch viele vorstellen. Aber erst einmal möchte ich hier nur eine grundlegendes Verständnis für diese Thematik schaffen. Daher betrachte ich in diesem Beitrag zunächst nur offene Gewässer.

Offene Gewässer?

Wem der Begriff nichts sagt, oder wer nur eine grobe Vorstellung hat, der Begriff ist einfach erklärt. Offene Gewässer sind sämtliche oben offene Gewässer, die wir finden. Bäche und Flüsse, Pfützen, Seen und das Meer. Ganz simpel oder?

Welche Gewässer sind nutzbar?

Grundsätzlich jedes, solange wir in der Lage sind, das Wasser entsprechend aufzubereiten. Aber genau hier, liegt unser großes Problem. Vor allem in der Nähe landwirtschaftlich genutzter Flächen, auch wenn diese eine größere Strecke Flussaufwärts liegen, ist die Belastung durch Nitrate, Pflanzenschutzmittel und Dünger sehr hoch. Natürlich kann man das Wasser trinken. Aber ich persönlich rate davon ab! Selbst moderne Wasserfilter tun sich sehr schwer, die chemische Belastung aus Wasser heraus zu filtern.

Wie finde ich brauchbares Trinkwasser?

Brauchbares Trinkwasser lässt sich auch in unserer Industrie- und Agrarlandschaft finden. Meistens ist unser großes Problem dabei, dass wir Wasser falsch bewerten. Ist es absehbar, das meine Überlebenssituation in kurzer Zeit vorüber ist, ich jedoch vorher verdursten würde, kann ich mit den Nachteilen von belastetem Wasser überleben und ggf. gesundheitliche Schwierigkeiten können durch moderne Medizin überwunden werden. Dies gilt jedoch nicht für alle Belastungen!

Grundsätzlich trinke ich nicht aus unbekannten Gewässern. Statt aus dem Fluss, suche ich mir lieber einen Zulauf, den ich möglichst bis zur Quelle verfolge, wo ich sicher sein kann, ob dort Belastungen sind oder nicht. Klares Wasser in Bewegung, ist immer dem stehenden und trüben Gewässer zu bevorzugen. Seen oder Teiche, die keinen Erkennbaren Zu- und ablauf haben, sind auch sehr zweifelhafte Quellen für Trinkwasser. Andererseits weisen sehr große und sehr klare Seen über ein eigenes Gewässerökosystem, welches Trinkwasser bietet. ABER: Landwirtschaftliche Flächen können das Wasser belasten. Beinahe bedenkenlos, können in Höhenlagen Fließgewässer verwendet werden. Je höher man (in den Bergen) ist, desto weniger belastet kann das Wasser sein und somit reicht es aus, auf sich bewegendes, nicht stehendes Wasser zurück zu greifen.

In Kürze:

– klares vor trübem

– fließendes vor stehendem

– möglichst bis zur Quelle folgen

– möglichst keine Landwirtschaft in der Nähe oder Hangaufwärts

– Geruchstest: Wasser sollte nicht riechen. Stark riechendes Wasser nicht trinken!