Begegnungen am Wegesrand – Man darf auch mal Opportunist sein!

Eine der wichtigsten Verhaltensweisen in der Natur, ist für meinen Geschmack Opportunismus. Damit meine ich, nutzen und sammeln, wenn ich es kann. Frei nach unseren Vorfahren, den Jägern und Sammlern. Bei einer einfachen Wandertour ist es nicht so wichtig. Aber für zukünftige Projekte oder den Vorrat zu Hause ist es gar nicht so schlecht, immer mal wieder Materialien oder Rohstoffe auf Tour zu sammeln. So kann man immer einen kleinen Vorrat auf Touren oder Unternehmungen mit nehmen und auch mal eine spontane Trainingseinheit kann man zu hause durchführen.

Ein netter Wasserfall. Wenn die Jahreszeit stimmt, für uns Opportunisten bestenfalls für eine Dusche geeignet. (Allerdings bitte ohne Seife, aus Rücksicht auf die Gewässer!)

Ferner sorgt diese Angewohnheit auch dafür, dass man beispielsweise bewusster mit seinem Wasservorrat umgeht und diesen möglichst oft wieder auffüllt. Speziell bei Wasser hat dies einen Vorteil. Ich nutze bevorzugt bei Touren flüssigen Wasserentkeimer. Dieser hat jedoch eine Wirkdauer, ab welcher das Wasser ‚keimfrei‘ getrunken werden kann. Fülle ich nun das Wasser regelmäßig auf, kann immer wieder eine kleine Menge entkeimen, während ich immer noch genügend Trinkwasser zur Verfügung habe.

Verführerischer Bach? Ein Bild weiter zeigt, was ohne Aufklärung des Bachlaufes verborgen geblieben wäre.
Was auf dem Bild nicht zu erkennen ist, der Reifen liegt im Wasser, welches weiter unten klar und deutlich verführerisch fließt. Aufklärung und die Suche nach der Quelle ist hier keine Verschwendung. Denn oberhalb der Quelle ist nichts zu finden, was das Wasser kontaminieren könnte und so können wir unverzüglich größere Mengen an sofort nutzbarem Wasser an der Quelle gewinnen.
Beinahe unendlich viel Trinkwasser wartet auf unsere Nutzung!

Bei Zunder verhält es sich ähnlich. Je nach Zunder, ist ein gewisser Trocknungsgrad von Vorteil. Klar, Birken- und Kirschrinde brennt auch im nassen Zustand, doch Nutzen wir Samen (von z.B. Disteln), Rohrkolben oder Gras, geben wird dem Zunder Zeit zum trockenen, wenn wir ihn richtig lagern. Dazu stecke ich ihn mir je nach Witterung unter die Kleidung. Dabei achte ich jedoch darauf, nicht zu viel Feuchtigkeit in meine Schichten zu bringen und gleichzeitig, dass mein Schweiß den Zunder nicht befeuchtet. Besonders bei totem aber feuchtem Gras als Zunder, ist somit ein frühes Sammeln am Tag besser, weil es so in den Kleidungsschichten noch etwas trocknen kann. Und hierbei ist jedes bisschen mehr Trockenheit ein wertvoller Vorteil.

Auch nass und innen völlig verfault, ist Birkenrinde äußerlich noch intakt und als Zunder sofort verwendbar! Aber hier alles ernten?

Mach es sofort und richtig!

Ihr seht also, dass der Vorteil darin liegt, Dinge sofort zu tun und zu erledigen. In der Natur und speziell im Survival bedeutet dies Energie sparen. Verschwenderisch können wir in unserem Alltag sein. Nicht jedoch, wenn es um unser Überleben geht. Dann bedeutet jeder kleine Vorteil eine höhere Chance zu überleben.

Immer wieder Samen sammeln, sorgt dafür, dass wir uns nicht plötzlich mit der Situation konfrontiert sehen, viel auf einmal sammeln zu müssen und damit viel Zeit zu verbringen.

Vorteile für Natur und Umwelt

Ebenso wie Birkenrinde ist auch Kirschrinde ein hervorragender Zunder. Sie ist nur nicht so bekannt.

Sammeln wir regelmäßig auf Tour immer mal wieder kleinere Mengen, benötigen wir nirgends größere Mengen und am Ende haben wir eine große Menge an gesammeltem Material. Samen bleiben so vor Ort erhalten und gerade Wildkräuter, die sich durch Samen vermehren, sind im Bestand sicher. Birken- und auch Kirschrinde können wir vom lebenden wie toten Baum gewinnen. Beide Rinden lassen sich auch von bereits morschem Totholz am Boden oder gar stehend gewinnen. Hier bevorzuge ich auch nur eine eingeschränkte Nutzung der Menge, weil in dem Holz noch Insekten und anderes Getier lebt. Ich mag ja auch nicht, wenn man mein Dach vom Haus reißt. Bei Lebenden Bäumen kann man ohne Messer bedenkenlos die oberen in leicht abstehenden Rindenlocken abzupfen.

Mein Schlafsystem – Quick’n Dirty

Eine Nacht draußen in der Natur, soll möglichst komfortabel sein. Je schwieriger unsere Situation, wenn es zum Beispiel tatsächlich um unser reines Überleben geht, desto wichtiger wird für uns auch ein guter Schlaf. Natürlich geht es auch mal ohne. Aber wenn eine längere Zeit absehbar ist, gewinnt guter Schlaf eine ebenso große Priorität, wie Nahrung und Wasser.

Klingt simpel? Es kommt darauf an. Schließlich ist eine gute Nachtruhe auch ein ziemlicher Bonus auf einer Tour. Vor allem, wenn sie anstrengend ist. ‚The more you know, the less you carry!‘ (Mors Kochanski). Natürlich kann ich mir meinen Schlafplatz jedesmal neu errichten, doch das nimmt gerade auf einer Tour sehr viel Zeit in Anspruch. Bodenisolation, Dach über dem Kopf etc. Da verliert man dann schon einmal mehrere Stunden. Und da ich persönlich ein Anhänger der ‚Leave no Trace!‘ Philosphie bin und möglichst geringe Spuren hinterlassen möchte, werden die Bauten von mir auch am nächsten Morgen zerlegt. So kommt man einfach nicht weit, wenn man schlicht laufen will. Vor allem im Winter, wenn die Tage ohnehin schon kurz sind.

Einfache Lösung?

Meine ‚Pennrolle‘

Ja, die gibt es. Nimm alles was du brauchst mit. Was man wirklich braucht, ist jedem selbst überlassen. Aber auf ein Minimum können wir es herunter brechen: Nässeschutz, Bodenisolation und Kälteschutz. Da muss jeder für sich selbst seinen Weg finden. Meiner besteht aus einer Kombination, die sich für mich bewährt hat. Außen der Biwaksack der niederländischen Armee, darin eine Klymit Insulated Static V Isomatte und der Carinthia Defence 4. Das lässt sich mit ein wenig Geschick eng zusammenrollen und ist durch den Biwaksack sogar sehr gut geschützt. Selbst im strömenden Regen, kann ich das aufbauen und zum Schluss meinen Poncho mit Geschick darüber errichten, ohne ungeschützt im Regen arbeiten zu müssen. Dann rolle ich noch die Heringe und das Gestänge mit ein und fertig. Alles in einem Bündel.

Das Bündel wird nur ausgerollt…
…insgesamt 6 Heringe in den Bodengeschlagen…
… Gestänge einfädeln…
…fertig ist der grobe Aufbau…
…noch die Isomatte aufgeblasen. Falls Es regnet: Poncho drüber und drinnen bleibt es trocken.
Das gesamte Setup. Es ist simpel und eben schnell auf- und abgebaut.

Der Biwaksack bietet mehrere Möglichkeiten:

Ich kann ihn komplett schließen oder öffen (und alles dazwischen) oder aber ich zippe ein Moskitonetz ein. Habe ich kein Gestänge oder… mittig der Gestängeführung ist eine Lasche, in die ich eine Schnur knoten und den Biwaksack so nach oben aufspannen kann. Dabei könnt ihr ein Zweibein, Dreibein, einen Ast oder oder oder verwenden. Ganz so, wie ihr wollt oder es euch die Umstände zulassen.

Klingt zu gut?

Stimmt leider. Der Schlafsack ist zwar sehr warm und kann auch bis minus 15 °C als Komfort-Limit (Angabe des Herstellers) eingesetzt werden. Gefroren habe ich mit ihm noch nicht unterhalb der 0°C. ABER er hat keinen Wärmekragen und wenn man sich nachts bewegt, vergrößert sich das Luftvolumen im Schlafsack und vom Gesicht, an Hals und Oberkörper vorbei strömt kalte Luft. Das ist dann mal kurz unangenehm, erledigt sich aber auch schnell wieder. Alles in allem löst das System viele kleine Schwierigkeiten und ist eben auch super mit einem Tarp kombinierbar. Ehrlich gesagt hoffe ich, das System mal unter -10°C testen zu können. Aber ein weiterer leichter Schlafsack erweitert die Temperaturgrenzen nach oben und unten. So reicht ein leichter Sommerschlafsack im Sommer und ich schwitze mich nicht kaputt oder diesen noch zusätzlich in den Defence 4 und ich kann mich in noch kältere Gebiete wagen. Folglich ein modulares (durch den Biwaksack jedoch nicht sehr leichtes) Schlafsystem, das sich leicht an verschiedene Witterungen und Umstände anpassen lässt.

Einsteiger Shelter: A-Frame

Hier stelle ich Euch ein A-Frame Shelter ( Englisch für Unterkunft) vor. Das A-Frame ist klein und unauffällig. Ihr benötigt wenig Material, es ist recht vielseitig bei schnellem Aufbau und gutem Schutz. Da es im Grundriss dreieckig ist, krabbelt man zunächst mit den Füßen hinein. Folglich richtet man das Fußende zur Wetterseite aus. Den Eingang kann man mit seinem Rucksack grob verschließen.

Material: Plane 2x3m Heringe (gekauft oder selbst geschnitzt) und ggf Seil

Öse mittig der 2m Seite wählen

In Meinem Beispiel habe ich den A-Frame an einem Baum aufgebaut. Um das Seil an der Plane zu befestigen, habe ich eine feste Schlinge mittels doppeltem Achter-Knoten gestochen, diese durch die Öse geschoben und dann das Seil durch die Schlinge gezogen. Schließlich in einer geschätzten Höhe und Entfernung (hier ist nur Übung oder testen angesagt.) am Baum Angeknotet. Praktischer weise kann man das Ganze auch mit einem Stock machen. Wenn man diesen dann noch mit dem Seil am Boden abspannt, wird die Konstruktion echt Stabil.

Die Schlinge zieht sich zu, lässt sich aber entspannt lösen.

Als erstes nach dem Befestigen am Baum, wird die 3 m lange Seite als First auf Spannung gebracht. Dann Fixiert man das ganze mit einem Hering in der mittleren Öse gegenüber unserem Seil. So nutzen wir die gesamte Länge von 3 m als Liegefläche aus. 2 m als First sind dann doch aufgrund der Konstruktion eher klein.

Am Kopfende werden die beiden Ecken gespannt und mit Heringen fixiert. Klappt man nun die noch außen liegenden Flächen ein, hat man im Fuß- bis fast Hüftbereich sogar einen Boden.

Fertig ist unser A-Frame für die erste Nacht oder ein kurzes Nickerchen am Mittag bei Regen.

Einsteiger Ausrüstung und erste Schritte

Kleinkram für den Einsteiger

Oben seht ihr mal Ausrüstung im Gesamtwert unter 30 Euro.

Der Topf ist aus dem Ikea für ca 5 Euro. Einen Kocher (Edelstahl Besteckkorb bekommt ihr dort für 1,79).

Das Seil oder besser Schnur ist eine billige aus einem Baumarkt (ca 5 Euro für 15m), ebenso das Mora (ca. 8 Euro) und die Plane 3x2m (ich meine etwa 6€)

Mit der Ausrüstung lässt sich solide in das Hobby einsteigen. Noch ein paar günstige Arbeitshandschuhe aus Leder einpacken und los! Zeug für Übernachtungen, Axt und Säge etc braucht ihr erstmal nicht. Mit dem Kram oben könnt ihr reinschnuppern und gebt nicht gleich Unsummen an Geld aus, nur um dann festzustellen, dass euch das Hobby nicht liegt.

Warum keine Schlafausstattung?

Weil ich hier ausdrücklich keine billigen Klamotten empfehle. Die ersten Nächte alleine draußen können echt gruselig sein und übt euch doch erstmal Nachts alleine im Wald ohne Übernachtung und dehnt die Zeit aus. Im Warmen Sommer reichen einfache Fleecedecken oder ähnliches. Das haben die meisten von Euch doch eh zuhause. Und im Sommer benötigt ihr auch keine all zu gute Isomatte und könnt ohne viele Skills und Übung mal draußen übernachten. Meine ersten Übernachtungen und Versuche sind meist gescheitert und ich musste auch mal mit einer ordentlichen Unterkühlung nachhause. Überschätzt euch einfach nicht, sondern tastet Euch langsam heran. Dann macht es auch wirklich Spaß und verlasst Eure Komfort Zone Stück für Stück!

Warum weder Axt noch Säge?

Die Antwort ist Simpel. Weil ihr es meist nicht dürft. Tut mir leid, aber es ist nun einmal so. Bäume Fällen, offenes Feuer im Wald und All das sind leider verboten. Andererseits sind unsere Wälder keine echten Wälder mehr. Oder besser ausgedrückt: Deutschland ist ein reines Kulturland. Selbst große Nationalparks bieten für uns alle nicht genug Platz und wenn jeder Einwohner Deutschlands dies tun würde, tschüss Natur. Das wollen wir alle nicht. Also passt auf, wo ihr mit Axt und Säge im Wald unterwegs seid und was ihr dort tut.